Niemand, der Kamerun bereist hat, versäumte es, den berühmten Häuptling von Bamum Joja zu besuchen, wohl einen der intelligentesten Häuptlinge von ganz Afrika, der sogar für seinen Staat eine eigene Schriftsprache erfunden hat. Er war ein großer Bewunderer der Deutschen, der vor Jahren selbst seinen künstlerisch geschnitzten alten Thron einem deutschen Museum vermacht hat.
»... Wir staunen, wie seine hohe Gestalt sich uns nähert.«
Eine ganze Strecke fuhren wir von Banaberi mit der Nordbahn ins Innere, und zwar bis in das Gebiet von Bamum. Joja, der durch Palavertrommeln seiner Untergebenen schon über das Nahen von Europäern, und zwar Offizieren, unterrichtet war, kommt uns mit seinem Stabe entgegen. Von der Höhe gewärtigt man einen langen Zug. Vorweg Rinder und Ziegen und sonstiges Vieh, der Beweis seines Reichtums. Bei unserer Annäherung steigt Joja aus seiner Tragbahre. Es ist dies eine Hängematte, die von zwei Schwarzen getragen wird an einer langen Stange. Wir staunen, wie seine hohe Gestalt sich uns nähert, umkleidet mit praller roter Husarenuniform, Kürassierhelm und einem fürchterlichen Schlachtschwert, geschmückt mit einem Kronenorden mit Schwertern, die schwarzen Beine aber von oben bis unten nackt. Sein Stolz als Beherrscher wird noch gehoben durch unser sichtbares Staunen über seine Erscheinung. Joja kommt uns entgegen, tritt auf uns zu und mit kurzen Worten in Pitschin-Englisch, vermischt mit seiner eigenen Landessprache, deutet er uns an, daß wir herzlich willkommen sind. Um ihn herum stehen seine Unterhäuptlinge, alle geschmückt, die hohen Gestalten, auch mit Beinschmuck unter den bloßen Knien. Dann folgen alle seine Krieger, muskulöse Körper, fast alle in gleicher Größe, ein wundervolles Bild von Kraft. Die schweren Schilde, die sie tragen, sind mit Rindshaut bezogen, vier Speere haben sie in der Hand. Joja führt uns, und wir nähern uns seiner Hauptstadt Bamum, einem riesenhaften Negerdorf. Von seiner Bevölkerung werden ihm beim Passieren begeisterte Zurufe entgegengebracht. An allen Ecken und Kanten arbeiten die Palavertrommeln.
Joja führt uns in seinen Palast, der in einem großen Hof steht, umgeben von einer gewaltigen Lehmmauer, die riesige Front mit den wundervollsten bunten Schnitzereien als Fassade. Wir treten in einen großen Raum ohne Stühle mit vielen Matten, und begeistert zeigt er uns jetzt die geräucherten Köpfe von seinen und seiner Vorfahren Gegnern, dann ein großes Elfenbeinhorn, das mit den Unterkiefern der erschlagenen Feinde geschmückt ist. Die Tonfabrikation scheint hoch entwickelt zu sein, überall sieht man Tonarbeiten. Sogar eine Art Kamin befindet sich in der einen Ecke des Saales. Als einziger Schmuck prangt darauf der Deckel einer europäischen Butterdose, eine brütende Henne darstellend.
Hier wurden wir nun bewirtet zunächst mit Palmenwein, ferner mit Saft von ausgepreßten Früchten, von Ananas, Mango, Apfelsinen, Popeyen, alles zusammengemischt und dann wieder mit Palmenwein vermengt. Ein Getränk, das uns ausgezeichnet mundete. Joja saß etwas unruhig. Sichtlich hatte er etwas vor, um uns weiter seine Macht zu zeigen. Dauernd kommen Unterhäuptlinge zu ihm herein, welche Berichte und Meldungen bringen, die wir nicht verstehen. Er gibt wieder Befehle zurück.
Nach einer Viertelstunde erhebt sich Joja und führt uns in den großen Hof, dessen Boden aus festgetretenem Lehm besteht, mit einem Baum in der Mitte, dem sogenannten Palaverbaum. Er selbst schreitet majestätisch einen andern ausgehöhlten Baum empor, in den eine Treppe eingeschnitzt ist. Auf ihm befindet sich die Kriegstrommel, die nur der König anrühren darf. Mit dumpfem Rollen ertönt die Trommel unter der Hand des Monarchen. Plötzlich fliegen vier Tore auf, und hereingebraust kommen 3000 Krieger, ein wundervolles Bild. Im Augenblick ist alles exerziermäßig aufgestellt. Da stehen die prächtigen, gleichgroßen schwarzen Gestalten mit den Unterhäuptlingen an der Spitze sich gegenüber, die Häuptlinge in Pantherfellen mit Büffelmähnen an den Knien, großen Speeren mit Bronzespitzen, unbeweglich, bis Joja das Zeichen gibt, die Kampfspiele vorzuführen. Das Kriegsgeheul ertönt: Oho ho, owahu, ua! Mit den großen Schilden aus Büffelfell prasseln sie zusammen. Ein überwältigender Anblick für den Europäer. Man ist erstaunt über die vielen gleichmäßigen Bronzegestalten und erfährt, daß sich der Häuptling in allen Fragen, welche die Kriegerkaste betreffen, über die Frauen, die sie sich wählen usw. die Entscheidung vorbehält. Die Rasse soll gleich bleiben. Alle Krüppel, die zur Welt kommen, werden sofort beiseite geschafft; sie sind hier nicht daseinsberechtigt.
Nach dem Kriegstanz findet ein Speerwerfen statt. Ich war erstaunt, mit welcher fabelhaften Energie und Wucht die Speere durch die Luft gegen den Baum sausten. Das Schild, das getroffen werden mußte, war 1½ m breit und 2 m hoch. Hier und da flogen Speere vorbei, aber die meisten trafen doch ihr Ziel.
Nach diesen Vorführungen kamen die Frauen, um einige Tänze vorzuführen. Die Krieger standen außen herum und die Mamis in der Mitte. Dann tanzten abwechselnd die Frauen um die Männer und die Männer um die Frauen.