Im Laufe des Nachmittags erließ der Häuptling eine besonders freudige Bekanntmachung zur Erhöhung des Festes. Er stiftete seinen Kriegern Palmenwein. Bald darauf ein großer Jubel überall, und man sah die Krieger in feuchtfröhlicher Stimmung beim Palmenwein.
Sehr interessant waren unsere Unterkunftsverhältnisse beim Häuptling. Überall waren Korbmöbel, Korbtische, Korbbettstellen. Sehr originell war auch die Einrichtung zum Duschen. Die Boys, die zur Bedienung bestimmt waren, pumpten Wasser in ein Rohr, das aus einem ausgehöhlten Baumstamm bestand. Von da aus lief das Wasser durch übereinander gelegtes Schilfrohr und tropfte daran hernieder. Die beste und erfrischendste Dusche, die man sich denken konnte.
Es wurde uns auch eine Büffeljagd vorgeführt. Sie kann nur stattfinden, wenn das Gras reif und trocken ist, das so hoch wächst, daß darin Roß und Reiter verschwinden. Der Wechsel der Büffel, die gejagt werden sollten, wird in der Suhle festgestellt, dann wird ein ziemlich großes Grasgelände bestimmt, und rechts und links von ihm werden Schneisen geschnitten. In der Richtung des Windes wird Feuer angelegt; die Schneisen, in denen die Treiber laufen, dienen gleichzeitig dazu, das Übergreifen des Feuers auf das übrige Land zu verhindern. Vor der Front steht ein Dutzend Neger mit großen Schilden aus Büffelfell.
Durch das Feuer zieht sich der aufgestöberte Büffel nach vorne. Er schaut mit seinen schwarzen Augen durch das Grasland, geht aber noch nicht heraus. Rückt das Feuer näher, und ist er gezwungen herauszutreten, dann greift er auch gleich an, sobald er seine Kühe in Sicherheit gebracht hat. Im gleichen Augenblick sausen ihm die Speere der Neger von vorn in den Leib. Er greift nun wütend an, da werfen die Neger sich wie der Blitz herum auf die Erde und liegen still auf dem Rücken unter dem Schild, der sie deckt. Ihre Gewandtheit darin ist fabelhaft. Der Büffel kann ihnen jetzt nichts mehr anhaben, er stutzt. Das Laufen ist ihm erschwert, denn die Speere, die ihm im Leib hängen, sperren sich gegen die Erde. Er dreht sich herum, da sind die Schwarzen sofort wieder auf, und er bekommt von hinten die zweite Ladung Speere. Er tobt, wirft sich hin, will auf die Feinde los, der Schweiß tritt in Strömen heraus, aber er kann nicht mehr vor noch zurück. Eine Anzahl Speere brechen wohl ab, aber im Augenblick sind die Neger heran, erheben ein Festgeheul, und einer stößt ihn ins Blatt, daß er verendet.
Die Häuptlinge müssen für die notwendigen Arbeiten, Bahnbauten usw. Leute stellen; dafür wird ihnen der Lohn von der Regierung überwiesen, den sie unter Zurückbehaltung eines gewissen Anteils an die Leute ausbezahlen. Die Erziehung der Leute ist erstaunlich straff. Sie trainieren sich in jeder Hinsicht. Es gibt nämlich zwölf Aufgaben, die jeder aus dem Stamm fähig sein muß zu lösen, wenn er ins Mannesalter tritt. Eine Aufgabe wird ihm gestellt, aber da er nicht weiß, welche er bekommt, muß er auf alle zwölf eingeübt sein. Deshalb trainieren diese Leute sich von Kindheit an, um im gegebenen Fall die gestellte Aufgabe zu lösen, z. B. 150 Speere hintereinander werfen, eine bestimmte Strecke schwimmen, laufen, rudern, mit Pfeil und Bogen schießen, einen aufgegebenen Gegenstand schnitzen und einen gewissen Schmerz aushalten zu können. Mit den Übungen beginnen sie im achten bis zehnten Lebensjahr und werden so prachtvolle Athleten.
Auch über religiöse Fragen unterhielt ich mich mit den Leuten. Der evangelische Missionar verlangt, daß sie sich einen Gott vorstellen sollen. Das können diese Leute aber nicht; ohne daß sie etwas sehen, können sie sich nichts vorstellen. Der katholische Missionar geht deshalb stets in das Gebiet, in dem der evangelische schon war. Er kommt nun mit seiner großartigen Aufmachung an. Ein Wunderwerk wird aufgebaut, Spiegelbilder mit viel Goldverzierung aufgestellt. Die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskind sitzt in der Mitte, rechts die Weisen aus dem Morgenland. Diese Geschichte zieht die Leute besonders an: es sind ja Schwarze dabei. Sie sehen Könige vor der Krippe knien, der Pfarrer selbst kniet nieder und betet den Jesusknaben an, und da denken sie: »Das ist der richtige Gott, der ist viel reicher als der des evangelischen Missionars.«
Joja ist ein Skeptiker gegenüber der christlichen Lehre. Er fragte mich, ob unser Gott ein weißer oder ein schwarzer wäre; es könne doch nicht nur ein weißer sein, da er auch die schwarzen Menschen gemacht hätte. »Wenn alle dem Ebenbild Gottes gleich sehen, warum werden wir dann nicht weiß?« fragte er. Auch daß die Engel weiß sein sollten, wollte ihm nicht in den Sinn. Dann fragte er mich, wann Jesus auf die Erde gekommen wäre. »Vor 1914 Jahren.« Da fragte er weiter, wann wir Amerika entdeckt hätten und warum uns das Jesus nicht gleich gesagt hätte, daß wir dort auch hingehen müßten und seine Lehre verkünden.
Zu der Zeit, als ich in Kamerun war, kam die auf der Weltreise befindliche detachierte Division, bestehend aus »Kaiser«, »König Albert« und »Straßburg« dorthin. Als die herrlichen Schiffe in ihrem stolzen Glanz dicht bei Duala einliefen, erschienen die Häuptlinge aus dem Innern, die eingeladen waren, die Schiffe anzusehen. Sie kamen mit Hunderten von Rindern und Ziegen an, denn der Reichtum eines Häuptlings stellt sich immer dadurch an den Tag, daß er dem Gastfreund Herden als Geschenk entgegenschickt.
So wallten die schwarzen Machthaber in ihrer ganzen Würde und Pracht herunter an die Küste. Ihnen zu Ehren wurde ein Bordfest angesetzt. Sie bestaunten die Kanonen in den Türmen, die bewegt wurden, und fragten, ob die Geschütze wohl über den Kamerunberg schießen könnten. Als ihnen dies bestätigt wurde, war ihre Achtung groß. Sekt erhöhte die Begeisterung. Als sie ins Innere zurückzogen, sprachen sie in hohen Tönen von den Schiffen, die der Kaiser hatte. Aber die Engländer ließen durch die Haussa, das sind sozusagen die Negerjuden, die handeltreibend das ganze Land durchziehen, unter den Stämmen verbreiten, die Deutschen hätten sich jene Schiffe von den Engländern geliehen.