Unsere »Rikschas« bei einem Besuch in der Kapkolonie.
Dann nahte für unser Schiff die Werftüberholungszeit, welche für die Auslandskanonenboote alle drei Jahre eintrat. Die Strecke von Duala zu dem früher benützten Kapstädter Dock war ebensoweit wie nach Deutschland, und so wurde bestimmt, daß der »Panther« nach der Heimat sollte. Ungern schieden wir von dem kostbaren Stück schwarzen Deutschlands, das keiner von uns als deutsche Erde hat wiedersehen dürfen, erreichten die Heimat am 6. Mai 1914 und gingen auf die Danziger Werft. Die notwendigen Bauten schritten schnell voran, und am 17. Juli sollten wir wieder auslaufen. Da bekamen wir unerwartet ein offenes Telegramm: »Nicht auslaufen«. Wir blieben also liegen.
Und nun kam der Krieg.
Achtes Kapitel.
Krieg und Seeschlacht.
Am 2. August Mobilmachung. Das war eine Begeisterung für die Marine! Wir selber waren zuerst recht enttäuscht, daß wir keinen würdigen Gegner zur See hätten, zumal unsere Regierung bei den ersten Verhandlungen mit England garantieren mußte, den englischen Kanal nicht als Kriegsschauplatz gegen Frankreich zu benützen. »Die große Armee nimmt uns wieder alle Aussicht« war das allgemeine Thema in der Marine. Aber es war doch ein wundervolles Bild, als das dritte Geschwader in Kiel von der Boje wegging. Acht Tage vorher war die »Kaiserin« als erstes Schiff durch den erweiterten Kanal gegangen. Welcher Schwung lebte auf den großen Schiffen! Auf dem »Panther« dagegen herrschte etwas gedrückte Stimmung. Was blieb uns zu tun übrig mit unserer schwachen Armierung, unsern zwei kleinen Kanonen, auf dem Fahrzeug, das zur Hälfte aus Holz bestand? Unsere erste Aufgabe war, die bei Langeland ausgelegte Minensperre zu verteidigen. Es war doch wenigstens eine Aufgabe, und man gab sich zufrieden. Man hoffte auch, gelegentlich etwas zu tun zu bekommen. Man erwartete, daß der Russe einen Vorstoß gegen Kiel machen würde und wir ein kleines Gefechtsbild erleben dürften.
Von Langeland aus kamen wir später zur Verteidigung von Aroe im kleinen Belt, der damaligen Nordgrenze des schleswigschen Ostseegebietes. Vormittags und nachmittags fuhren wir je dreimal um die Insel, also Karussellfahren. Ich setzte mich schließlich mit dem Doktor in Verbindung. Meine eigentliche Krankheit konnte er allerdings nicht heilen, denn die bestand in der heißen Sehnsucht, auf ein großes Kriegsschiff zu kommen. Ich erkundigte mich aber nach entbehrlichen Körperteilen. Die Wahl fiel auf den Blinddarm. Die Symptome einer Blinddarmentzündung begannen sich bald zu melden, so daß der Arzt mich nach Kiel schickte zur Operation. Ich wurde ins Lazarett gesteckt, und selbst der Chirurg meinte, als er die Stelle befühlte, und ich meine Empfindlichkeit äußerte, es wäre Blinddarmreizung. Am nächstfolgenden Tag wurde ich operiert, und da nach der Operation ein längerer Erholungsurlaub nötig war, wurde ich abkommandiert von »Panther«. Das Opfer des überflüssigen Eingeweidezipfels hatte sich gelohnt: ich war den Blinddarm und »Panther« los und kam auf das neueste Schlachtschiff »Kronprinz«. Mein heißester Wunsch war erfüllt.