„Und das plaudern Sie aus!“ rief sie, scherzend mit dem Finger drohend. „Es ist gewiß, daß die Männer ihr Glück gar nicht zu schätzen wissen — denn es ist Glück, mein Ignaz, in eine gewisse Spannung und Erwartung versetzt zu werden, und ein Paar Stunden der Ungeduld und Neugier zu haben.“
„Ach, ich glaube, die ganze Sache geht mich wenig oder gar nichts an,“ sagte Ignaz, und nahm einen Brief aus dem Portefeuille. „Was sagen Sie zu der Handschrift?“
Tosca sah sie an und sagte: „Das ist ein absichtliches Gekritzel und keine Handschrift.“
„Lesen Sie, wenn es Ihnen Spaß macht,“ sagte Ignaz gleichgültig.
„Sie scheinen mir sehr blasirt zu sein,“ sagte Tosca lachend, und las den Brief, der nur die Worte enthielt:
„Wenn Graf Adlercron Mittheilungen zu haben wünscht, welche ihm wichtig sein werden, weil sie eine Person interessiren, für die er sich ganz außerordentlich interessirt: so muß er morgen früh um 9 Uhr im Thiergarten bei der Statue der Venus von Milo sein.“
„O,“ sagte Tosca, „das ist nur eine Redensart! die Person, für welche er sich ganz außerordentlich interessirt, wird wol .... er selbst sein.“
„Und wenn Sie es wären, Tosca?“
„Ich!“ rief sie sehr erschrocken.
„Es ist doch ganz gewiß, daß ich mich lebhafter für Sie, als für mich selbst interessire.“