„Was wissen Ihre anonymen Correspondenten davon!“ sagte sie stolz und warf den Brief auf den Tisch.
„Die Welt weiß Alles, erfährt Alles, mischt sich in Alles“ — sprach er kalt. „Personen, die in ihr eine gewisse Stellung einnehmen, werden sehr beobachtet.“ .... —
„Jetzt wollen Sie mir erzählen, daß die Augen von ganz Berlin, vielleicht vom ganzen preußischen Staat auf meine arme Person gerichtet sind — nicht wahr? während ich doch die Ueberzeugung habe, daß höchstens ein Dutzend Menschen sich sehr oberflächlich um mich kümmern.“
„Es ist eine Schwäche der unbedeutenden Menschen, sich einzubilden, daß die Augen der ganzen Welt auf sie gerichtet sind; und es ist eine Manie gewisser ausgezeichneter Personen, sich einzubilden, daß sie unsichtbar, wie verhüllte Gottheiten, durch die Welt gehen. Hier, wie dort, ist es ein Irrthum, aber dort ist er schmeichelhaft, hier bequem.“
„Das mag fein und richtig bemerkt sein,“ entgegnete Tosca ruhig; „nur ich ... gehöre nicht zu denen, die sich durch fremde Augen geschmeichelt oder genirt fühlen, und ich bleibe bei meiner Meinung, daß der Brief Sie allein betrifft.“
„Dann lohnt’s nicht der Mühe, hinzugehen.“
„O bitte, bitte! lieber Ignaz, gehen Sie hin! erzählen Sie mir, wie man sich benimmt bei so einem geheimnißvollen Rendez vous.“
„Ob es nicht Spitzbuben sind, die mich ausplündern wollen? der Thiergarten soll nicht ganz geheuer sein.“
„Lassen Sie Uhr und Geldbeutel zu Haus und nehmen Sie ein Pistol mit.“
„Oder ob es nicht tout bonnement eine Bettelei sein wird?“