„Etwas, das mich stört und mich von den Gedanken abbringt, die ich haben mögte und sollte.“
„Und darf man in diese Gedanken eingeweiht werden, oder ihrer Richtung folgen?“
„Warum nicht?“ entgegnete Sigismund ernst; „sie sind sehr einfach und natürlich. Morgen werd’ ich einundzwanzig Jahr alt; seit anderthalb Jahren soll ich studiren, und habe nichts gethan, gar nichts! Nämlich, ich hab’ viel getrunken, viel gespielt, viel Schlägereien gehabt, und die Universitäten sind gewiß dazu auf der Welt, daß man das Alles aufs Gründlichste treibe! Hat man’s aber achtzehn Monat getrieben, so wird man’s überdrüssig und das ist jetzt mein Fall. Von morgen an wird gearbeitet .... und zwar eisern.“
„Da Du Dich entschlossen zu haben scheinst, vor der Zeit ein Philister zu werden“ — sagte Hohenberg ärgerlich, der seit drei Jahren auf Universitäten nichts trieb, als — nichts; „so wäre es viel passender, dächte ich, auf den Zellerschen Ball gesetzt und artig in Deine vita nova überzugehen, als diese Nacht mit Wein und Karten zu durchschwärmen.“
„Aus dem Philister wird nichts, mein Junge!“ rief Sigismund lustig; „aus dem gesetzten Leben mach’ ich mir nichts, aber aus dem tüchtigen viel. Und ich sage Dir ja, es wäre mir unbequem, in meinen ernsthaften und arbeitsamen Projecten durch irgend ein Paar schwarze Augen gestört zu werden.“
„Paperlapapp!“ sagte Friedrich; „die Augen thun’s halt nicht! Hast Du Dich doch tapfer gegen die von Tosca Beiron vertheidigt.“
„Ist er nicht possirlich mit seiner ewigen Tosca Beiron!“ rief Sigismund und lachte.
„Possirlich?“ entgegnete Friedrich gelassen; „mit nichten, mein Alter, nur beständig! und hauptsächlich .... beständig im guten Geschmack.“
Sigismund erröthete und fuhr auf: „Ein Geschmack, der mir zusagt, so oder anders, ist gut.“
„Charmant! charmant!“ erwiederte Friedrich noch ruhiger, „dasselbe meinte ich ja auch nur. Und übrigens wollt’ ich Dich nur aufmerksam machen, daß Du Dich vor übermächtigem Einfluß schöner Augen nicht sehr zu hüten brauchst. Du verstehst den Zauber zu brechen. Wenn ich bedenke, in welche Extase Du vor ungefähr acht Wochen, hier, zu dieser Stunde und in diesem Saal geriethest, als Du zum ersten Mal Tosca Beiron sahest“ .... —