„Ist sie so hoch in den Wolken, oder so tief unter meinem Horizont?“

„Ignaz,“ rief sie ganz ungeduldig, „Sie sind wahrlich ein Inquisitor.“

„Wenn meine Fragen Sie ärgern, schöne Tante, so war die Geschichte gewiß ausnehmend ... interessant.“

„Es ist keine Möglichkeit, von Ihnen los zu kommen,“ sagte sie lachend; „also hören Sie zu.“

Sie erzählte ihm Sigismunds Liebe zu Antonien, aber ohne die Folgen, welche sich später für ihn daraus entwickelt hatten.

„Und dafür dankten Sie dem Regierungsrath Forster so herzlich, als ob er Ihnen weiß Gott was für eine Freude gemacht hätte?“ sagte Ignaz, nachdem sie zu Ende war.

Tosca hatte keineswegs ihren Dank auf diesen Abschnitt von Sigismunds Erzählung bezogen, doch sie sagte:

„Und warum nicht? solche kleine unschuldige Herzensregung hat etwas Rührendes und Erfreuliches zwischen der Abgestorbenheit späterer Jahre.“

„Sie hatten ganz Recht,“ entgegnete er; „solche Kindereien verstehe ich nicht, und ich glaube, daß sie die Abgestorbenheit vorbereiten und beschleunigen, von der Sie sprechen, schöne Tante.“

Tosca sah ihn an. Er saß auf dem Platz, wo Sigismund gesessen. Sein schönes Gesicht mißfiel ihr, wenn Sie es mit Sigismunds ernstem Antlitz verglich. Sie sagte gleichgültig: „Das kann wol sein, und geht mich nichts an.“ Dann gingen ihre Gedanken zu Sigismund zurück. „Seltsam!“ dachte sie; „die heftigsten Emotionen meines Lebens kommen mir durch diesen Mann, und von ihm! einst — Schmerz, Beschämung, Gram; jetzt — Freude, aber unglaubliche Freude, denn der einzige Moment in meinem Leben, an den ich mit einem kleinen Gefühl von peinlicher Bitterkeit dachte — der ist jetzt hell und licht worden! und dafür hab’ ich ihm gedankt, und noch lange nicht genug.“