Sigismund kam am andern Abend und fand den General allein, der ihm sagte, seine Frau sei noch bei der Toilette, welche heute besondere Sorgfalt erheische, da sie aus dem Conzert auf einen großen Ball gehen müsse. Nach zehn Minuten etwa trat Tosca ein. Sie trug ein Kleid von blaßblauem Moor mit Fluthen von Spitzen garnirt, einen Schmuck von Türkisen und Perlen, und in den Locken einige hellrothe Camellien. Sie trat rasch ein, und sagte zu ihrem Mann, ohne Sigismund zu sehen, den sie noch nicht erwartete:
„Da bin ich! ... nun? bin ich hübsch?“
„Wie eine Email von Petitot,“ antwortete der General freundlich, „glänzend und zart.“
„O Himmel!“ rief sie, Sigismund gewahrend; „sehen Sie, so macht man’s, um sich Complimente sagen zu lassen.“
Sigismund hatte unwillkürlich einen Moment die Augen geschlossen. Ihm war als fliege ein Meteor vorüber. Sie sah ganz ungewöhnlich schön aus, das Auge noch leuchtender, die Farbe noch duftiger, die Haltung noch ätherischer als sonst. „Wo sind die Flügel, von denen sie getragen wird?“ fragte er sich heimlich; „so sieht man im gleichgültigen Zustand nicht aus!“
„O ich freue mich!“ sagte sie und ihr Lächeln glitt über ihn hin, wie der Sonnenstral.
Sigismund hätte ihr gern gesagt, daß ihre Freude ihm weh thue, denn ihm war trübe zu Sinn; er fragte nur:
„Und wozu? gnädige Frau?“
„Zum Conzert! wozu denn sonst?“
„Nicht auch zum Ball?“