Tosca ließ sich neben ihm in einen Lehnstuhl fallen, holte tief Athem; küßte ihm dann die Hand und sagte:

„Befriedigt! ja, das ist das Wort! ... befriedigt, mein Ignaz — wendete sie sich zu diesem — und zwar so sehr, daß ich nicht im Stande bin, heute Abend Tanzmusik zu hören. Ich bleib’ daheim.“

Sie zog die Handschuhe aus, legte Shawl und Fächer ab, und sagte zum General:

„Ich weiß nicht ... bin ich entseelt, bin ich neubeseelt, aber genug! irgend etwas ist meiner Seele geschehen.“

„Sie ist den Launen zugänglich worden,“ sprach Ignaz lachend.

„Lachen Sie immerhin, beau neveu!“ entgegnete sie sehr gleichmüthig und dann zu Sigismund: „Nicht wahr, er warf auch Sie in ganz überwältigende Emotionen? Sie sehen noch ganz angegriffen aus.“

„Haben Sie so schwache Nerven, Herr Regierungsrath?“ fragte Ignaz immer noch lachend.

„Die Nerven sind gut, Herr Graf,“ erwiederte Sigismund eben so gleichgültig als Tosca; „aber die Emotionen gehen bei mir tiefer, als bis zur Erschütterung der Nerven.“

„Lieber Onkel,“ sagte Ignaz, „wie ein schlichter Mensch, der ich bin, habe ich Liszt’s Spiel in jeder Beziehung meisterhaft gefunden; allein so erschüttert, wie diese Herrschaften, bin ich nicht davon, und darum werde ich auch tout bonnement auf den Ball gehen.“

„Wo Sie, als ein eleganter Tänzer, der Sie schlichter Mensch sind — auch viel nothwendiger sind, als ich,“ sagte Tosca freundlich, und nickte ihm ihren Abschiedsgruß zu.