Sigismund tanzte keinen Schritt vor dem dritten Walzer. Friedrich und mehre seiner Freunde neckten ihn mit seiner Unbeweglichkeit.

„Ich muß Euch aufrichtig gestehen,“ sagte er lustig, „ich begreife nicht Euren Muth, wie Ihr wagen mögt, Euch mit diesen Tänzerinnen zu präsentiren.“

„Ah! und wem willst denn Du Dich präsentiren?“ rief Friedrich.

„Nun, dem ganzen Ball,“ entgegnete Sigismund.

„Und hab’ ich mich etwa schlecht präsentirt?“ fragte Friedrich weiter, der eben mit Tosca getanzt hatte.

„O, Du lieber Bruder,“ sagte Sigismund lachend, „Du bist schon ein Jahr hier, Dich kennt man, Du hast nicht mehr nöthig, an einen glänzenden Eintritt zu denken, wie ich Fremdling. Aber ich tanze lieber gar nicht, als mit so einem winzigen, eckigen Grashüpfer, als Deine Tänzerin im ersten Walzer war.“

„Grashüpfer!“ wiederholte Friedrich, „das ist ein guter Name. Fortan soll sie gar nicht anders heißen. Aber ich habe auch einen Namen erfunden, und zwar für die Tosca Beiron.“

„Und der heißt?“ fragte Sigismund gespannt.

„Dornenröschen! So schnippisch, so kurz angebunden ist mir in meinem Leben kein Mädchen vorgekommen. Es wird ihr zu viel weiß gemacht, und das taugt den Frauenzimmern nichts.“

Das Orchester spielte den dritten Walzer und Sigismund eilte zu Tosca. Tanz ist Tanz, meint man, und wenn zwei Personen nur Takt zu halten verstehen, so muß es ziemlich einerlei sein, mit wem man sich im Saal herumdreht. O mit nichten. Man versuche es nur einmal beim Gehen! Man nehme nur einmal den Arm und lasse sich führen, die Treppe herunter, oder nur über die Straße; welch ein Unterschied! Man kann nicht Schritt halten, man wird müde, man wird gestoßen, der Arm, der Schutz und Stütze sein soll, wird zur Last, zur Unbequemlichkeit; ganz lahm kann man davon werden, wenn’s lange dauert, und ganz verdrießlich. Und dann ein anderer Arm! Da geht man mit demselben Schritt, da hat man dieselben Bewegungen, da passen Gang und Haltung so genau zusammen, daß Keiner den Andern genirt, da sieht der Mann nicht gehemmt und die Frau nicht übereilt aus. Wie viel mehr ist das beim Tanz der Fall, wo man, von Melodien getragen, gleichsam in höherer Sphäre geht, und folglich durch den Mittänzer sehr gehoben und sehr gefesselt werden kann.