„Vielleicht weil Sie kein Interesse hatten, sie zu beachten.“
Sie sah ihm scharf in die Augen; sie fand darin den kleinen lauernden Ausdruck, den sie immer hatten, und an den sie dermaßen gewöhnt war, daß sie sich wunderte, wie sie ihn bemerkte; auf seinen Lippen lag sein gewohntes Lächeln, das, obgleich in Gewohnheit ausgeartet, dennoch auf seinem schönen Munde hübsch war. Es war nichts, gar nichts in dem Gesichte, was sie plötzlich hätte frappiren können. Sie sagte scherzend:
„Mein Ignaz, Sie sind neidisch.“
Er fuhr innerlich zusammen, und sprach mit unveränderter Miene: „Und wenn ich’s wäre?“
„So würde ich Ihnen rathen, den fatalen Fehler abzulegen,“ antwortete sie halb ernst, halb schelmisch, und ging ihrem Zimmer zu.
„Bleib hier, Tosca!“ rief der General, „und hadert noch ein wenig mit einander, liebe Kinder! ich versichere euch, daß nichts in der Welt mir ergötzlicher anzuhören ist.“
„Ich werfe nur das schwere Reitkleid ab,“ sagte Tosca.
Als sie nach zehn Minuten wiederkam, fand sie Besuch vor.
Am Abend, zur gewohnten Stunde, erschien Sigismund. Der General sagte freundlich:
„Wir haben Sie recht vermißt.“