Ohne diese Hilfe bin ich sicher ganz ohnmächtig. Du dagegen hältst es für möglich, die Gebote Christi durch eigene Willenskraft zu erfüllen. Wenigstens begegnet man diesem Gedanken in all deinen Werken.

Das Evangelium ist die Lebenssonne – das gibst Du selbst zu; fügst aber sofort hinzu: ›Hütet euch, in jedem ihrer Strahlen das gleiche Licht zu erblicken: man muß sie nach ihrer Wichtigkeit wohl unterscheiden; es gibt unnütze, sogar schädliche unter ihnen.‹ Ich dagegen kann in Erkenntnis meiner Schwäche und Nichtigkeit auf keinen dieser Strahlen verzichten, sondern muß damit die Finsternis vertreiben, in der meine Seele schmachtet – sobald nicht das ganze Licht des Evangeliums sie belebt.

Christus, der gesagt hat: ›Hört meine Worte,‹ sagte auch: ›Glaubt meinen Werken.‹ Du dagegen sagst: ›Nein, glaubt nur seinen Worten; seine Werke, seine Wunder, seine Opfer sind nutzlos, und die Erlösung hat keinen Sinn. Er ist nur gekommen, um eine neue Lehre zu verkünden.‹

Wie sollen wir, mit allen unsern Fehlern, diese göttliche Lehre im weitesten Sinne erfüllen? Wer macht unsere zahllosen täglichen Irrungen und die vielen Sünden wieder gut, die wir begehen, bevor diese Lehre uns zum Bewußtsein kommt? Hat unser Herz Kraft genug, um die Reue herbeizuführen, die unserem Fall entspricht? Wir geben uns kaum über einen kleinen Teil des Übels Rechenschaft, das unser Leben erfüllt.

Ich bewundere die Kühnheit des heiligen Paulus, dessen Herz in Liebe zum Heiland brennt: er hört demütig alles an, was ihm von oben geoffenbart wird, und beeilt sich, die Juden und Heiden auf den einzigen Weg des Heils nach sich zu ziehen. Ich protestiere aber gegen die vielleicht unbewußte Kühnheit eines Parker, wenn er mir beweist, daß die Leiden und der Tod des Heilands meine Sünden nicht sühnen können.

Wenn er mich davon überzeugte, würde er mir mit einemmal die Hoffnung auf Unsterblichkeit nehmen und mein Herz der Verzweiflung überliefern.

(Um mich richtig zu verstehen, bemüh dich, lieber Leser, dir vorzustellen, wie Du empört wirst, wenn man dir erklärt, die Lehre Christi wäre falsch und unnütz ...)

Du verkündest die Lehre Christi und tust gut daran; rühre aber um Gottes willen nicht an die Wahrheiten, die mit deinen Überzeugungen nicht übereinstimmen – sie sind trotzdem von der größten Wichtigkeit für die christliche Welt, was durch Jahrhunderte von vielen Leuten bewiesen ist.

Ich las irgendwo, die Chinesen machten den Europäern mangelhafte Pietät zum Vorwurf, die bei ihnen als Fundament der sozialen Ordnung gilt.

Deine liebe Hand möchte natürlich niemandem Schmerz verursachen; dabei gebrauchst du Worte, die uns geringeren Wesen bitter weh tun. Unwillkürlich fällt mir der Bibelspruch ein: ›Zieh deine Schuhe aus, denn diese Stätte ist heilig.‹ Ist das nicht auch mit Herzen der Fall?