Dann erhob der Amerikaner seine Stimme und enthüllte kühn das Falsche dieser Ansicht sowie ihre Unanwendbarkeit im Leben.
»Wenn ein Räuber oder ein Verrückter in Ihr Haus kommt, geben Sie ihm nicht nur Ihre Habe, sondern auch Ihr Weib und Ihre Tochter. Ich aber, dear brother, suche ihn möglichst festzubinden und möglichst schnell zu entfernen, und kann in Ihrer unverständlichen Nachsicht nicht die geringste wahre Liebe entdecken.«
Beim Lesen dieser Stelle wäre ich vor Freude bald aus dem Bett gesprungen und strich mit starken Strichen alle Bemerkungen an, die mich durch ihre Wahrheit überraschten. Am nächsten Tage ging ich, das Buch in der Hand, in Leos Arbeitszimmer mit einer Miene, in der meine unschuldige Schadenfreude wahrscheinlich allzu deutlich zu lesen war.
»Nun, hast du das Buch gelesen?« fragte Leo.
»Gewiß; ich habe eine reizende Nacht damit verbracht. Weißt du auch, lieber Freund, daß dein Amerikaner ein Kleinod ist?«
»Gewiß; ich bestätige es ausdrücklich und bin bereit, es zu unterschreiben. Wie schade, daß wir uns nicht treffen können. Wir würden uns ausgezeichnet verstehen.«
Dann legte ich, um meinen Triumph nicht allzu deutlich zu zeigen, das Buch auf den nächsten Tisch.
Leo erwiderte nichts. Sobald ich mich aber umwandte, griff er nach dem Buch und sah die angestrichenen Stellen durch. Natürlich erlaubten Stolz oder Eigenliebe ihm nicht, seinen Fehler einzugestehen. Das Sonderbarste aber war: wie konnte er sich so irren?
Der liebe gute und oft so unlogische Leo Tolstoi! Wieviel steckte in ihm von dem, was die Franzosen pur enfantillage nennen! Ist es nicht tatsächlich Kinderei oder Spielerei: dieses Schustern, Schleppen von Brennholz, Ofensetzen usw.? Er aber führte alles durchaus ernst, wie eine heilige Pflicht aus. –