Alles war Freude, Jubel und stolze Siegeszuversicht, und kein Auge durchdrang den Schleier der Zukunft, hinter welchem unmittelbar das furchtbare Bild sich erhob, das die siegreichen deutschen Truppen zeigte, wie sie in geschlossenen Reihen durch diesen Triumphbogen des französischen Ruhmes einzogen, während aus den Tiefen von Paris jene finstern Mächte heraufstiegen, um die Denkmäler der Jahrhunderte in Schutt und Asche zu verwandeln.
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Um dieselbe Zeit, während ganz Paris in jubelnder Aufregung sich befand, waren in einem bescheidenen Restaurant der Passage Jeouffroi die Officiere der früheren hannöverschen Legion versammelt.
Sie saßen finster um den Tisch, auf welchem der Kellner mit der großen weißen Schürze soeben ihr Diner zu serviren begann. Auf allen diesen jugendlichen kräftigen Gesichtern war keine Spur von der Heiterkeit ihres Alters zu entdecken, und Sorge und Kummer blickten aus Aller Augen.
Der Lieutenant von Tschirschnitz strich den vollen blonden Schnurrbart zur Seite und sprach, finster die Zähne zusammenbeißend, indem er sich zu dem neben ihm sitzenden Kriegscommissair Ebers, dem einzigen älteren Manne von der Gesellschaft wandte.
„Wie lange kann unsere Kasse noch reichen?“
„Vierzehn Tage vielleicht,“ erwiderte der Commissair Ebers achselzuckend, „wenn wir uns auf das Äußerste einschränken, und wenn wir alle unsere nothwendigsten Kleidungsstücke verkaufen, so können wir vielleicht noch weitere vierzehn Tage gewinnen, dann aber ist es jedenfalls aus.“
„Wer uns das gesagt hätte,“ rief der Lieutenant Götz von Ohlenhusen, indem er einen tiefen Zug aus einem vor ihm stehenden Seidel Dreherschen Bieres that, „als wir von Hannover auszogen und Alles im Stich ließen, um uns dem Dienst des Königs zu erhalten —“
„Der hätte uns jedenfalls einen großen Dienst geleistet,“ sagte Herr von Tschirschnitz, „ich hätte jetzt meine Kompagnie in Sachsen, eine ehrenvolle Stellung und eine schöne Carriere vor mir, während wir uns jetzt hier in einer Lage befinden, die in Wahrheit geeignet ist, selbst unserem bisher unzerstörbaren Humor den Todesstoß zu geben. Hier im fremden Lande ohne Mittel, ohne Stütze, ohne Anhalt — in Deutschland als Hochverräther verurtheilt! — Wir werden bald in der Lage sein, daß kein Fuß breit Erde, kein Athemzug Luft mehr in dieser Welt für uns übrig ist.“
„Was bleibt uns übrig,“ sagte Herr von Götz finster, „als uns irgendwo anwerben zu lassen. Man denkt ja daran, eine Fremdenlegion zu bilden.“