Die dunklen Blätter derselben, welche beim ersten Anblick schwarz erschienen waren, schimmerten im Strahl des darüber hin streifenden Sonnenlichts in einem sehr deutlichen Purpurblau.
„Die Rose ist blau,“ sagte der Kaiser, indem er vorsichtig die Blüthe erfaßte und sie hin und her wendete.
Aber von welcher Seite auch der Strahl der Sonne darauf fallen mochte, immer zeigte sich der blaue Glanz.
Der Gärtner lächelte mit einer gewissen Miene der Ueberlegenheit.
„Ich habe es Eurer Majestät immer gesagt,“ sprach er, „daß es Ihnen niemals gelingen wird eine schwarze Rose zu ziehen. Die Natur hat die schwarze Farbe nicht, und so sehr sich auch die verschiedenen Farben immer mehr und mehr verdunkeln mögen, es wird Ihnen doch niemals gelingen, sie bis zum wirklichen Schwarz zu bringen.“
„Aber man hat doch die schwarze Farbe in der Thierwelt,“ sagte der
Kaiser. „Das Haar des Menschen ist schwarz, das Gefieder so manchen
Vogels“ —
„Ich glaube, daß Eure Majestät sich täuschen,“ sagte der Gärtner kopfschüttelnd, „Alles das ist nicht schwarz, — es sind nur tiefe Schattirungen irgend einer anderen Farbe, deren Grundton Sie im Sonnenlicht leicht erkennen können. Die wirklich schwarze Farbe kommt in der Natur nicht vor, sie kann nur von Menschen künstlich geschaffen werden.“
Der Kaiser ließ die Blüthe los. Sein bisher so heiteres Gesicht wurde ernst, seine Augen verschleierten sich, trübe blickte er vor sich nieder.
„Die Natur schafft die schwarze Farbe nicht,“ sagte er — „das menschliche Herz ist auch eine Schöpfung dieser Natur, und doch ist die Sorge so schwarz, welche dieses Menschenherz erfüllt, — die Menschen müssen künstlich die schwarze Farbe schaffen, — — sind alle die Sorgen, die uns quälen, nicht auch künstliche Schöpfungen einer der reinen und heiteren Natur entfremdeten Welt, — aus den wir uns dennoch nicht losmachen können,“ fügte er seufzend hinzu, „um wieder zur Reinheit und Freiheit der Natur zurückzukehren, — einer Welt, aus der uns nur der Tod hinausführt, der uns mit dem letzten und tiefsten Schwarz bedeckt — — werden wir dahinter,“ sprach er tief sinnend weiter, „eine neue Welt voll Licht und Farbenglanz finden, oder wird dieser letzte schwarze Grund für immer alles Licht und alle Farben aufsaugen?“
Er stand noch einige Augenblicke in schweigendem Nachdenken, dann nahm er seine blaue Schürze ab, reichte dieselbe mit der Scheere, deren er sich zum Schneiden der Zweige bedient hatte, dem Gärtner, — grüßte denselben freundlich mit der Hand und warf noch einen langen wehmüthigen Blick über seinen blühenden Rosengarten, — dann wandte er sich schnell um und stieg die Stufen hinauf, welche ihn in sein Zimmer führten.