Picknicks sind auch unsere wahrhaft ambrosischen Mahlzeiten. Ich meine die wirklichen, diese lieben, lieben kleinen Soupers in meinem Zimmer. Ich entwickle Hausfrauenehrgeiz, du bringst »etwas fürs Leckermäulchen«. Das hast du schon glücklich herausbekommen, diese Achillesferse. Und dann, – ach, es ist so einzig! Wie du mich fütterst und wie du mir zusiehst, wenn ich esse! Es ist alles so voll Güte und Liebe und herzensfroh dabei.
Erscheinst du im Türrahmen, so gibt's mir immer »an Rucker« (ein wienerisches Wort, das du zum Glück nicht verstehst, – sonst würdest du sagen: du Racker!). Unter den männlichen Typen, denen ich in dieser degenerierten Welt begegnet bin, waren einige nicht üble Exemplare. Rudi, mein erster Mann, war ein hübscher Mensch, mehr läßt sich von ihm nicht sagen. Yussuff hatte seinen adligen Gang. Er schritt dahin, wie ein morgenländischer König. Sollte ich ihn recht deutlich machen, so möchte ich mich auf das Bild von Kainz als König Kandaules in »Gyges und sein Ring« berufen. Ihm glich er. Es mag auch bei dieser für mich so frappierenden Ähnlichkeit mit dieser Kainzschen Maske viel an der Barttracht gelegen sein. Gewiß ist, daß Kainz in dieser Maske des Kandaules den Typus des orientalischen Fürsten, intuitiv wahrscheinlich, vollendet getroffen hat. Dimitri, – er hatte den Körper eines Hinduknaben, die Mähne Beethovens, Augen eines Dämons. Aber eine Stirn, ach, eine furchtbare Stirn! Schreckhaft war auch der Mund, so prachtvoll auch das Gebiß daraus strahlte, wohl nur weil ich es so empfand.
Du – bist anders als sie alle: einwandfreier.
Mehr sage ich aber nicht! Wozu auch? Dich schildern? Fällt mir gar nicht ein. (Oder, wie man hier sagt, – ich denke gar nicht daran.) Die andern habe ich »geschildert«, weil ich sie dir zeigen wollte. Dich – will ich niemandem zeigen. Bleibe du mir nur hübsch in der Tarnkappe, mein lieber »Held«! Vielleicht habe ich dich nur in der Phantasie erzeugt, oder du warst einst für eine kurz bemessene Frist – mein Gast.
Ein mysteriöses Märchen ist es. Märchenhafter, mysteriöser als Märchen sind. Die Märchen haben immer mich geliebt. Aber ich wußte immer, wenn ich im Märchen stand, daß es nicht wirklich sei, nicht das wirkliche Feenland, nach dem ich ausgezogen war. Und daß ich vorsichtig sein müsse, – sehr vorsichtig, um mich nicht, aufwachend, im wilden Wald zu finden. Ach, und ich wachte immer auf, und immer so, wie ich es gefürchtet hatte.
Dies aber ist, ist. Ich zupfe mich an der Nase, ich schüttele und rüttele mich, – und wache nicht auf! Es ist, ist.