Eigentlich hätte dieses Buch für dich schließen sollen, in dem Augenblick, »wo Chronik und Gegenwart sich berühren«. Bis dahin, sagtest du ja, solle ich es dir führen. Meine Reise wolltest du sehen, deutlich sehen, ach, meine Festlandsreise!
Aber: wir sind dann abgestoßen zusammen. Und: wir sind jetzt auf hoher See. Wer kann da sagen: Halt! Es fährt, nicht ich und du.
Wir, wir stehen beide auf der Brücke, fassen uns an den bebenden Händen und blicken hinaus, mit den seligen, treugläubigen Blicken, die nur die Märtyrer haben und die – Entdecker.
Halten werde ich, bis das Land, das ganze Eiland vor uns liegt, das wir beide dort drüben wissen, weil wir mit dem Glauben daran geboren wurden. Halten werde ich, bis wir anlegen an jener Küste, die wir schon ahnten, da nichts sie uns bestätigte, da wir schier unüberklimmbare Gebirge um uns fühlten, da es sich türmte mit hundertfachen Wällen und wir uns rettungslos eingeschlossen glaubten, tief, tief drinnen im Binnenland.
Ich schaudere beinahe, wie diese Blätter sich häufen, sich aufstapeln. Wie wieder eins und wieder eins, über das diese meine geheimnisvoll geschobene Hand dahinfuhr und es füllte mit Zeichen, Zeichen, zu Boden gleitet, und wie wieder ein neues weißes Blatt vor mir liegt, sich wieder füllend mit diesen seltsamen Zeichen, gespensterhaft, mir selbst unheimlich, und dahingleitet zu den anderen, hinab, mir zu Füßen, – weil die Blätter zu fassen und wegzulegen keine Zeit ist! Und wie sie da rascheln, wenn der Fuß sie berührt! Ich lasse sie gleiten, ich lasse sie stürzen, ich lasse sie rascheln. Und sie wachsen, wachsen, sie türmen sich, sie häufen sich, – ein Opferstoß!
Wer ist in mir, wer ist in mir, daß es also über mich kommt, zu – opfern?
»Nur ein ekstatischer Zustand ermöglicht ihm die Melodie.« – – –
An ein Wort Lenaus muß ich denken, aus jenen seinen geliebten Briefen an Sophie: »Genie, wer hat es? Kann es das Weib haben? Törichte Frage. Mann und Weib haben es zusammen.«