»Freude,« sagtest du, »hohe Freude kommt mir von dir! Jeder Blick auf dich, Freude. Die Worte von deinen geliebten Lippen, Freude. Jede Berührung mit diesem deinem Körper und dieser deiner Seele, eine einzige Freude. Ich habe keinen Augenblick noch neben dir verlebt, ohne diese Freude in mir zu fühlen.«

»Also eine Art Freuden-Frowelin?« sagte ich.

»Pfui doch!« und du klopftest mich böse.

»Nein du, du brauchst nicht böse zu sein,« sagte ich, da ich meine Schläge weg hatte, »es ist was dran: ich hatte immer das Gefühl, daß, wie soll ich sagen, hinter diesem häßlichen Schandwort ›Freudenmädchen‹ ein wunderbarer, transzendenter Gedanke verborgen sei: das Weib als einziger Freudenborn des Mannes, aus dem er sich Ekstase antrinkt, um seiner ihm aufgetragenen Melodie mächtig zu werden.«

»Und das Weib? Ist ihm keine Melodie aufgetragen? Besonders wenn es mit einer Singvogelkehle zur Welt kam?«

»Freilich. Darum müssen sie einander gegenseitig die Freudespendenden sein, soll ein edles Konzert zustande kommen. Man müßte sie erziehen zur Freude.«

»Erziehen?« Du sahst mich an mit diesem deinem tiefen deutschen Blick. »Erziehen zur Freude? Nein, Maja, das kann man nicht. Der schöne, das ist der freudige Mensch, wird geboren. Glaube mir, Maja, hier liegt's. Aber daß er schön geboren werde und daß der also Geborene dauern könne, – das ist die Frage: die Frage der Gelehrten, der Künstler und der Gesetzgeber.«


Zarathustra spricht: »Woher kommen die höchsten Berge? so fragte ich einst. Da lernte ich, daß sie aus dem Meere kommen. Dies Zeugnis ist in ihr Gestein geschrieben und in die Wände ihrer Gipfel. Aus dem Tiefsten muß das Höchste zu seiner Höhe kommen!«

So aus dem Tiefsten zum Höchsten lieben die Eingeborenen der Liebe, die echten Grands Amoureux.