Verrat stieß mich in Verödung. Ich fror, fror entsetzlich. Rette dich, trotz dieser Erstarrung. Dann Not, die mir drohte, mich aus dem Wagen, in dem ich meinen Zielen zufuhr, immer wieder herauszuschleudern, daß ich unter die Räder käme. Gefangenschaft, Frost, Hunger, – die schlimmsten Dinge, die so ein Vogel mitmachen kann.

Von diesen Dingen allen ist mir etwas zurückgeblieben: Angstgefühle, die in einer Ecke des Herzens sitzen und herausschleichen, zu Zeiten, zu Zeiten. Das preßt und drückt und zieht und krampft zusammen. Das schleicht in die Adern. Das wandelt sich da in lauter Gift und jagt und erjagt die Seele und schlägt sie nieder und versenkt sie in Ohnmacht. Wie tot liegt sie dann da. Wie ohne Seele muß ich weiterschleichen, ein Stück Weges.

Sonderbare Krankheit das: an Gefühlen leiden. Ein »Angstherz« haben, wie andere ein Fettherz. Und wie andere sagen: »Ich bin bei Stimmung«, muß ich, in den glücklichen, gesegneten Zeiten, wo diese Angstgefühle nicht herausgetrieben werden von den Peitschen des Schicksals (nur dann regen sie sich), sagen: »Ich bin bei Seele.«

Gute Gefühle, Gott!


Das Schlimmste, das waren diese Frostgefühle. Wie es über mich kroch, kalt, kalt. Wie Schauer des Todes jagte es mir über den Rücken. Und drang ein, brennend, stechend, wie Eisnadeln im Schneesturm. Und Vereisung rings um mich her und fahle Öde. Und dann stieg es in mir auf, todeskalt, wie von den Füßen herauf, immer näher zum Herzen, nahe, nahe zum Herzen. Und das Herz – wie ein einziger brennender Punkt in dieser Vereisung, ein deutliches anderes, wie das Schwarze in der Scheibe, das auf die Kugel wartet.

Nur die Kugel, die Kugel da hinein, das war die Sehnsucht.

Eisige Verödung – jüngster Tag. Und das Schaurigste: Leben um mich herum und nur ich – wie ausgeschaltet aus der Kette des Lebens.

Ohne »Sinn« mein Sein. Ohne den Sinn, an den ich geglaubt hatte, als an das schiebende, logische Prinzip, das die Dinge in sich tragen und das sie zu ihrer »Bestimmung« schiebt.

Frost – Todesöde.