Ihr nach! Sie festhalten: das war die Aufgabe, das war die Frage.
O, wie ich meiner Seele nachjagte, da sie mich verlassen wollte! Wie ich sie, die flüchtige, die verzweifelte, immer noch gerade an einem Zipfelchen erwischte, wenn sie schon im Begriffe war, – sich aus mir zu stürzen. Halt!
Ich hatte heute nacht einen seltsamen Traum. Auf einer Bahre lag ein Leichnam, ein Frauenleichnam. Eine junge Selbstmörderin war es. Ich war es selber. In tiefer Not hatte ich ein Ende gemacht, hatte getan, wovor ich wachend immer zurückgebebt.
Aber, nicht doch, das war nicht ich. Eine andere war es. Wo hatte ich dieses Gesicht schon gesehen? Diesen langen, schmalen Fanatikerkopf? Eine Nacht tauchte auf, – ein Bild, – jetzt weiß ich es: jenes Mädchen ist es, das van Haer liebte. Sie ist seine Frau geworden, wie ich später erfuhr. Und sie hat ihr Leben selbst geendet, um seinetwillen, wie man sagte. Aus den Fenstern ihres Landhauses in Schottland ist sie in die See gesprungen.
Und wie ich mich über die Bahre beuge, verändern sich die Züge, es sind wieder die meinen. Ist sie es, bin ich es?
Die Tür fliegt auf, weit und geräuschlos. Und herein kommt, – nein wallt, – eine Schar schöner Mädchen. Unhörbar gleiten sie, schweben sie näher zur Bahre, auf der diese Fremde liegt, von eigener Hand getötet, und sie dennoch sieht, hört und erkennt: die Genien der Freude sind es. Glühende Gewänder tragen sie in bunten, strahlenden Farben. Aber ihre Gesichter, die holdseligen, sind weiß und todesernst.
Die Genien der Freude sind's, – die Seligkeiten, die ich nun mit dir erlebe, Johannes!
Und sie treten an die Bahre und singen mir – ihr – ein Lied.