Seit ich mit dir bin, lebe ich in lauter Schönheit. Und, ich Frevlerin, immer hatte ich mir diesen Zustand als den natürlichen vorgestellt, und was anders war, Leid, Elend als Unnatur empfunden.

Unnatürlich ist, daß der Mensch schlecht lebt. Denn die Erde ist gut. Und reich. Die Sonne nicht erloschen. Sie wärmt, hellt und bebrütet. Läßt wachsen und reifen. Unnatürlich ist, daß Menschen schlecht leben. Als Schande wird es einmal empfunden werden, gleich Krankheit. Armut – Schande. Krankheit – Schande. Häßlichkeit – Schande.

Solange es nicht Privatschande ist, all dieses, ist es Gesellschaftsschande. Denn die Erde ist gut. Und reich. Und die Sonne glüht.

Nicht um da zu sein, erträgt man das Leben, sondern um schön da zu sein.


Ich habe gestern bis gegen Mitternacht in diesen Blättern geschrieben. Dann bin ich hinausgetreten auf den Balkon und habe, wie so oft schon, »mein Antlitz hin nach West gewandt«. Und da, da glaubte ich wirklich in der Luft das deine zu erkennen und deinem Blick in der Dunkelheit zu begegnen. Wunderbar strömte mir die Nachtluft entgegen und mir war's, als hörte ich aus ihr deine liebe, tiefe, innige Stimme ganz dicht an meinem Ohr flüstern, – jenen Gruß Lenaus an Sophie: »Gute Nacht, du Heißverlangte!«


April! Ich liebe diesen Monat. Und nicht nur um des Geruches von Geburtstagskuchen willen, der mir mit ihm verknüpft ist. Ich liebe ihn, weil er der Frühling ist. Im Mai ist's immer schon schwül und schwer in der Stadt. Hold und verheißend ist der April.


Aprilmorgen.
Ich sehe auf einen Friedhofsgarten
Von meinem Fenster herab.
Ich höre die Särge knarren
Und sehe, wie sie verscharren,
Worauf die Gruben warten.
Und doch: so friedlich wird mir's Gemüte, –
Der Friedhof steht in Blüte.
Im Ostermorgen zerfließen
Schwere Gewitterdünste,
Die der eilige Frühling hineingeweht
In den wunderzarten April.
Und Tränen den Friedhof gießen:
Daß er treu das Geliehene hüte!
Der Friedhof steht in Blüte.