Gestern war mein Geburtstag. Ein Bild kam mir, ein teures Bild: von der Mutter. Ja, das sind ihre Augen. Und mein Lachen und Weinen, – ich finde es in diesen Augen wieder! (Wenn sie ganz stillhält, und das tut sie ja nur auf dem Bild.) Wieviel müssen die geweint haben, diese Augen! Und wie blinken sie doch so lustig, so lieb, so unverwüstlich, trotz alledem. Seid gesegnet, liebe Augen!
Und dann, dann bekam ich einen Brief: deinen Brief!
Welch ein Brief! Welch ein Geburtstag.
Du kamst. Du brachtest mir ein Buch: »Also sprach Zarathustra«. Und meine Lieblingsblumen brachtest du mir, weiße Gardenien. Wo hattest du sie her, hierzulande?
Und ich erzählte dir, wo ich diese geliebte, wunderbare Blume das erstemal gesehen habe. In Genua war es. Da kam ich auf der Durchreise hin, als ich nach jener – azurenen Küste fuhr. Allein war ich. Und saß am Strand von Nervi. Im Schoß lagen mir die Gardenien. Und üppig und süß empfand ich damals, von ihrem Atem angeweht, meine Einsamkeit. Beinahe wie Glück war es, damals, eine kurze Stunde lang.
»Siehe,« sagte ich, – »ihre Blätter, der Gardenia weiße Blätter, sie beben, wie in Ekstase! Und sind doch so fest gewachsen im Kelch! Das ist das Wunderbarste an der Gardenia: du kannst sie rütteln und schütteln, soviel du willst, der Wind mag sie an ihrer weißen, samtenen Krone zausen, soviel er mag, sie entblättert nicht wie andere Blumen, wie die »stolze Rose«, Tulpe und wie sie alle heißen. Nicht eines ihrer sphärenhellen, frohen Blütenblätter entfällt ihr. Sie hält sie fest in ihrem wunderbaren Kelch. So, so müßte man sein: so unverwehbar!«
Und ich begann, sie zu einem Kranz zu flechten. Als er fertig war, setztest du mir ihn aufs Haar. Und Andacht war in deinem Blick bei dieser Handlung.
Und dann sahest du mich lange, lange an, und unsere Blicke flossen zusammen. Und endlich sagtest du, schweratmend flüsternd: »Was bist du schön! Wie blühst du mir jungfräulich, meine süße kleine Maja!«
Ich blieb still, mit erschüttertem Herzen. Aber in diesem meinem Herzen habe ich für dies Wort einen Altar errichtet, dir und mir.