Geheimnisvoll entringt, enthaucht sich mir, was ich mit dir erlebe. Alles wird Stimme. Der Blumen Stimme, ihr Gemüt, ihr Hauch, anima, – ihr Duft, – ihrer Seele Seele kann nicht leichter, nicht freier, nicht notwendiger ihrem Kelch entsteigen, als mir diese Stimme quillt. Und ich höre auch Stimmen, Stimmen, die ich nie vernommen, und die Seele meiner Seele, die Stimme selbst, nimmt sie auf und trägt sie in sich, bis sie ihr Eigen werden und dann meiner genesenen Brust entströmen.
| Weiße Gardenia. |
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| Weiße Gardenia: |
| Von allen Blumen du die Blume, |
| Ein frommes Lied klingt auf zu deinem Ruhme. |
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| So wohnt das Licht auf himmelsnaher Stirn, |
| So erdenferne ruht der ewige Schnee am Firn, |
| Wie deiner Sammetblüte Glanz erglüht |
| In weißer Glut. |
| Und das Geheimnis, das im Kelch dir ruht, |
| Enthaucht ihm, da er sonnensehnend blüht, |
| Die Seele, deiner Seele: dein Gemüt. |
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| So Wahrheit wie Geheimnis schließt sich rätselvoll in dir, |
| Weiße Gardenia, du. |
| So sphärenhell, geborgt von fremdem Stern, dein froher Glanz, |
| So irdisch süß, wie lust- und leiddurchbebt, dein Blätterkranz. |
| So unverwehbar deine keusche Krone! |
| Wie einst du dies zu solcher holden Ruh, |
| Weiße Gardenia, du? |
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| Einst saß ich, still durchglüht, an einem fernen Strand, |
| Blau lag das Meer vor mir. |
| Da hielt ich dich in schwerem Strauß im Schoß, |
| Weiße Gardenia, du. |
| Gesegnet war die Seele mir. |
| Und, Seele deiner Seele, hauchst du mir |
| Den süßen Atem zu. |
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| Und wieder strahlst du, in demüt'gem Ruhme, |
| Im Schoße mir, ein reicher Kranz. |
| Und anders ist die Seele mir gesegnet, |
| Kam mir das Glück aus deinem Hauch geweht? |
| Ein frommes Lied klingt auf, wie ein Gebet: |
| Daß ich dir gliche je, in meinem Frauentume, |
| Weiße Gardenia, du, du aller Blumen Blume! |
Von dir kam mir dies Lied! Musik aus dir, Stimme geworden in mir!
Ich lege es nieder auf dem Altar in meinem Herzen, dein und meinem Altar, vor dem ich jungfräulich stehe, neben dir, jungfräulich, – Frouvelin.
Wenn ich auf den Balkon hinaustrete, – so fühle ich, wie die Luft mich streichelt. Und wenn ich meinen Blumen frisches Wasser gebe, – sie nicken mir zu! Alles liebt mich! Woher kommt mir, woher kommt mir dieser Segen?