So sagtest du es.

»Es darf kein Opfer sein.«

Ich legte dir die Hand auf die Lippen.

Du vergrubst den Kopf an meiner Brust.

So demütig sind nur die Freien!


»Es darf kein Opfer sein.« Doch. Es ist ein Opfer. Aber nicht: »Ich opfere mich«, sondern: »Ich opfere.« Ich trage einen Kelch, einen geweihten Kelch: opfernd trage ich ihn dir entgegen und halte ihn an deine frommen Lippen. Trinke, du! Und zu der heiligen Handlung – eine frohe, heidnische Melodie: Evoë!

Heidnisch bewußt und doch mystisch geheimnisvoll sei dir dieser Trunk – wie jener andere Trunk, der auf Mont Salvatsch den Frommen und Frohen wurde.


Evoë!
 Wie ein geweihter Kelch, wie eine Vase,
In der die Blume deiner Liebe blüht,
Scheint mir mein eigner Leib, durchglüht
Von dieser irdisch heiligen Ekstase.
 Wie Kelch gewordner weißer Stein von Laase,
Wenn ihm der Gott einhauchte sein Gemüt,
Daß er Gefäß sei seinem Schöpferlied,
Damit es becherlos ihm nicht im Busen rase.
 Geheimnisvoller Becher, der beim Mahle
Auf Mont Salvatsch sich frommen Lippen bot
Und sie entsühnt von allem Fluch der Erde!
 Wie jener rätselvolle Trunk vom Grale
Den, der ihn wissend tat, entwunden aller Not,
So dir der Trunk von diesem Kelche werde!