Du gingest von mir. Ich trat auf den Balkon hinaus und blickte dir nach. Sternfunkelnd war die Aprilnacht. Licht erschien sie mir, so licht, – wie ein Weib, von dem eben der Geliebte gegangen.
Daß ich mein Lied so hinausschmettern kann in alle Winde? In dieses Offene, Grenzenlose, wo es weiter und weitergetragen wird? Daß meine Stimme nicht zurückbebt vor dieser Verkündung ihrer geheimsten Melodie?
Ward sie mir denn nicht, die Melodie, damit ich sie sänge? Nicht vielleicht einzig deswegen mir »ermöglicht«?
Singen muß ich mein Lied, weil diese Ekstase über mich kam, aus der die großen, die bekennenden Gesänge quellen, die Psalmen, die Hohenlieder.
Ein Lied unterschlagen, das Gott selbst mir auftrug, hineinhauchte mit dem Schöpferhauch seiner eigenen Stimme in diese meine Menschenkehle, solch ein Lied unterschlagen?!
Ein Lied, das mir aufgetragen wurde, damit ein Wiederklang davon bleibe, wenn ich selbst nicht mehr bin, von mir zurückbleibe, als Stoff für weiteres, – Stoff und Wiederklang geheimnisvoll eines! – als ein rettender Rhythmus vielleicht, eine führende Melodie für jene, die auf die Stimme warten, die sie auf ihren Weg rufen soll, wenn sie, unbestätigten Glaubens, irregeworden, melodielos, steuerlos geworden, umherfahren auf hoher See.
Darum klinge, du Lied, so weit immer die Winde dich tragen mögen! Und wenn ich, dich aushauchend, mein Leben mit aushauchen sollte, dafür, daß ich dich sang, dich singen durfte, singen mußte!