Ein hohes und lachendes Lied der seufzenden Welt zu singen, dazu, so will es mir scheinen, mußte ich alle meine Leiden trinken. Und, da ich sie trank: nach einem Trunk aus der Sonne selbst mich verzehren! In meinem mir nun einmal »eingeborenen« überheblichen Frevelwahn schien es mir immer, als ob er mir gebührte, dieser unwahrscheinliche Trunk, als ob uns Menschen, die wir ja nach dem Ebenbild dessen – gedacht sind, der über allen Sonnen – denkt, als ob uns Menschen die Freude gebühre, die Sonne, die Ekstase! Gebühre – jawohl, gebühre! Ich hörte immer, »es müsse nun einmal so sein«, um uns und in uns, wie es meistens eben ist: so staubig, so dämmrig, so melodielos, und schlimmer. So sollte sein müssen, dachte ich immer hinter dieser meiner »Empörerstirn«. So sollte es gedacht sein, als Gesetz, von dem, der über allen Sonnen – denkt, so gedacht für uns, die nach ihm – Gedachten? Dies der Gedanke, im Stoff und in der Melodie, von der er ja nur wiederklingt, der Stoff?

Dies die – Stimme?

Mein überheblicher Frevlerwahn wollte sich nicht zufrieden geben.

Ich wollte nicht demütig werden im Leide, so tief mir auch die Stirn in den Staub gedrückt wurde. Nicht demütig werden: das ist schlimm. Es mußte erst das Glück kommen, um mich demütig zu machen, und fromm.

In diese meine Hand, diese kleine Rebellenhand, wie du sie nennst, mußte ich »richtig« – die Sonne selbst bekommen! Und aus ihr trinken, o, einen Trunk tun, den nur die innerlich ganz »Feuerfesten« vertragen.

Und siehe: ich wurde fromm an dem gefährlichen, lodernden Trunke. Und ich fing an zu beten. Zu ihr: zur Sonne!


Betet, betet zur Sonne! Betet zur Gnade! Und glaubet nicht, daß sie euch nicht erhöre! Der Kult wirkt zurück, und das ist die Wirkung des Gebetes.


Wer besser könnte in Staub verwühlte Stirnen zärtlich vom Staube heben, in die sie, – die Gottähnlichen! – gedrückt wurden, wer besser aufrichten das tief gedemütigte Haupt und es zart und zärtlich zur Sonne wenden, wer besser könnte es, wer einzig dürfte es, als wer selbst im Staube verwühlt und tief, tief gedemütigt gewesen? Und zu dem dann die Macht trat, das Haupt ihm hebend und es zart und zärtlich ihm zur Sonne wendend?