Johannes, du herzlicher Mensch! Die anderen, die küßten mich um ihretwillen. Du aber küssest mich um meinetwillen. So deutlich, so sichtbarlich, so unverkennbar ist dieses. Heiß und doch zart, wie samtene, rote Blüten, so fallen sie auf mich, deine Küsse, so werden sie über mich gestreut, wie Blüten, die aus unerschöpfbarem Füllhorn quellen und niederfallen und immer wieder neu sprießen und fallen, fallen auf das, dem der Segen bestimmt ist, und was Erwartung wurde, von den Füßen bis zu Lippen und Augen und Haaren.
Und um meinetwillen!
Denn dein Blick wird nicht dunkel, nicht abseitig, nicht von mir fort entführt zu jenen Mächten, die den Mann erschüttern, wie das Rollen der Lava den Krater.
Nicht ihnen gehört die Gewalt über dich. Sie lenken mir ihn keinen Augenblick fort aus seinem Bette, meinen goldenen Strom, der aus der Quelle deiner Augen stürzt und fließt, fließt in mich, sein williges Bett.
Um meinetwillen fließt er. Und um meinetwillen regnet es Blüten, rote, samtene Blüten.
Voll von Sehnsucht war Dimitri. Voll von Sehnsucht, – Süchten, mehr ein Süchtiger, denn ein Sehnender. Nicht wie man sich Sehnsucht vorzustellen liebt, kann man sich die seine denken: nicht die vom Morgen Umwobene, zum Tage Ahnende – die Schwebende, Lockende, – die die Seele in den Garten der Ekstase geleitet. Nicht solcher Art war seine Sehnsucht. Er, der doch ein Dichter war, hatte keinen Träumerblick. Und den des Wissenden, den hatte er noch weniger. Wie der Strom dahinrollt, so empfand ich seinen Blick, silbern, rollend, wohin? woher? Rollend, ohne Möglichkeit, innezuhalten.
Seine Sehnsucht hatte ihn, wie eine wilde Reiterin ihr Roß. Sie saß auf ihm – und peitschte und jagte und peitschte; keuchend, mit geblähten Nüstern, rollenden Auges, fliegender Mähne, jagt es dahin, unter den Hieben und Sporen der Furchtbaren, die seine Meisterin ist, das Roß, – das edle.
Und seine Reiterin und Meisterin drückt ihm die Sporen ins Fleisch. Wohin sie will, muß der Weg führen, nicht wohin, er, der Jagende, selbst will. Ein Geknechteter, rast er dahin. Und die ihn jagt, seine Sehnsucht, peitscht ihn – mit Begierde, spornt ihn, mit schneidenden Eisen der Not, die tief in sein Fleisch dringen. Und wo sie vorbeikommen, die beiden, diese Sehnsucht und dieser ihr Träger, da lassen sie hinter sich – Zerstampfung, Zerstörung, Schrecken.
Und doch, und doch – ein edles Roß, das also gejagte, ein unfreies, gehetztes, geknechtetes, und doch ein edles!