Johannes, wie ist deine Sehnsucht eine andere. Eine mütterliche, im Schoße tragende, wohnt sie dort, wo Harmonien aufklingen aus der Masse erstickter, verröchelnder, verzweifelnder, lästernder und betender Stimmen! Wo Stimmenvielklang sich entwirrt, löst, ordnet nach geheimem Gesetz. Nach den geheimen Vorgängen der Vermählung. Und sie, die Sehnsucht, empfängt und trägt und birgt, – daß etwas werde! Ordnung werde! So trägt sie – die Schönheit. Denn Ordnung ist Schönheit.

Und auf verbindende, aufklingende Töne horchend, ahnend, ihnen entgegenlauschend, gehst du, suchst du, sammelst du: Töne, – Töne zur Ordnung! Und mit dieser tönenden Beute beladen, schreitest du, ein Lauschender, ein Wegebahnender, von deutlicher Melodie geführt, dorthin, wo es klingt, wo sie wohnt – Sehnsucht.

Der von der Sehnsucht Gejagte und der von der Sehnsucht Geführte – es ist zweierlei.


Nie sah ich Ruhe wie die deine: feurige Ruhe, – »bezähmt, bewacht«.

Dieses ist die Ruhe, die die Unruhigen erlöst. Dieses die Ruhe, die die Darbenden speiset und die Gehetzten erquickt, wie der Schatten des festwurzelnden, blühenden, belaubten Baumes. Dieses die Ruhe, die die Griechen – träumten, in Marmor, durch dessen Geäder man die Leidenschaften fließen sah, ohne daß sie das Marmorgeäder zersprengten!

Dieses, was das Weib sucht, an des Mannes Brust.

Wie klingt es doch im Hohenlied:

»Wer ist die, die herauffährt von der Wüste und lehnet sich an ihren Freund?«