Fürwahr – aus einer Wüste fuhr ich herauf. Nichts war da, woran ich mich hätte lehnen können, mein Lebenlang, in dieser meiner traurigen Wüstenfahrt. Nun aber kann ich mich lehnen. Nun ich heraufgefahren bin. An meinen Freund mich lehnen.
»Wie ein Apfelbaum unter den wilden Bäumen, so ist mein Freund unter den Söhnen. Ich sitze unter dem Schatten, deß ich begehre, und seine Frucht ist meiner Kehle süße.«
»Stehe auf, Nordwind, und komm, Südwind, – und wehe durch meinen Garten, daß seine Würze triefen!«
Auch Dimitri wünschte, was jeder Mann wünscht: das Weib möge sich an ihn lehnen. Und ich wollte es so gern und tat es auch, und siehe – es bog ihn, verbog ihn. Denn kein starker Baum, ein tausendästiger Busch war er, mit seltsamen, üppigen Blüten und Beeren an seinen Zweigen, seinen tausendfältigen Zweigen. Der Stamm aber fehlte. Ein Gebüsch, dessen Gezweig sich schier undurchdringlich ineinander schlingt. Und lehnte man sich da hinein, so gab es nach und bog sich und verbog sich. Eine Schwächere könnte auch wohl an den Busch sich lehnen. Kleine Vögelchen auch auf diesen Zweigen sich wiegen und Schatten da suchen und finden. Und gar wohl wäre dem Busch dabei, denn er sehnte sich zu geben, nach Art der starken, festverwurzelten, hoch in den Stamm geschossenen, dichtbelaubten und befruchteten Bäume. Freilich von den Beeren des Busches dürfte kein Vögelchen naschen, es stürbe daran.
Wohl könnte dann dem Busche sein. Wäre da nicht eine Menschenseele in ihm, die von Sehnsucht gejagt, von Begierde gepeitscht, von Not gespornt ist und begehrt und ergiert, was nicht ihr zugedacht war. Eine Seele, deren eigene Ideale sie verwirren und verraten. Die heute vermeint, ein paar Vögelchen, hüpfend in ihrem Gezweige, wären das, was Freude brächte. Und die morgen das gefiederte Getier am liebsten hinauswürfe und von einer Herrin träumet – die sich neiget – und seine Blüten bricht, – daß die verwundeten Zweige – bluten.
Alles sah er am Anfang, was er, balde, ach balde, nicht mehr sah.
»Wie sie sitzen kann!« Und ich mußte mich vorsetzen.
»Wie sie sich lehnt!« – »Lehn' dich, bitte, lehn' dich da an die Portiere!«