Nun war ich also Frau Neudorfer. Nein: Frau Neudorfer-Hertz. So wollte es mein mich managender Mann. Mein Engagement verpflichtete mich von Beginn der neuen Herbstsaison, also wenige Wochen nach meiner Heirat.

Im grünsamtenen Direktoirekostüm, ein zylinderartiges Hütchen auf dem Kopfe, ein weißes Stöckchen keck durch die Luft wippend, kam ich in meiner ersten Szene mit meinen Hofdamen, welche im Gänsemarsch hinter mir schritten. Wir marschierten unter den Klängen einer Polka graziös im Bogen bis an die Rampe. Dort blieb ich mit einem Ruck stehen und sang »mit reizender Schalkhaftigkeit« zu der Polkamelodie:

»Die klu–gee – Frau
Die weiß – gee–nau,
Wie der Mann zu fassen ist,
Wie man ihn am besten küßt!
Die klu–gee – Frau – –«

Ich hatte einen grand succès!

Rudi strahlte.


Die materielle Basis unserer Menage war trotz unserer leichtsinnigen Sorglosigkeit vor der Eheschließung keine üble. Ich hatte von meinen Eltern eine Rente und eine kleine Gage beim Theater, er eine sehr anständige Zulage, die ihm sein Papa anläßlich der vollzogenen Tatsache unserer Vermählung ausgesetzt hatte. Ferner arbeitete er als Feuilletonist, auch brachte die erste Operette noch immer Geld ein, und ein zweites Libretto hatte er »unter der Feder«.

Diesbezüglich wäre also alles gut gegangen.

Man legte uns auch von keiner Seite mehr etwas in den Weg, im Gegenteil, das »interessante« junge Paar, das eine glühende Liebesehe geschlossen hatte, erfreute sich allseitiger Sympathie.