Man begann mir sonderbare Geschichten von Rudi zu erzählen. Mit Choristinnen und Statistinnen unseres Theaters hätte man ihn da und dort gesehen. Ich fragte ihn danach. Er leugnete rundweg, änderte aber nicht seine Lebensweise.

Volle Freiheit war zwar (wie es sich unter richtigen Übermenschen gehört!) gegenseitig ausgemacht worden. Aber ich hatte nie auch nur im entferntesten daran gedacht, daß man sie anders benützen könnte, als ich.

Das – das fing doch an, mir über den grünen Klee zu gehen.

Eigentlich glaubte ich diesen Klatsch nicht. Ich wußte nur nicht mehr recht, was und wie. Ich glaubte es deswegen nicht, weil ich mir nicht vorstellen konnte, daß man eine Frau, um deren Besitz man sich so sehr bemüht hatte, gleich nach der Hochzeit betrügen würde. Und so betrügen. Eine Leidenschaft für eine andere Frau hätte ich jederzeit begriffen. Die Ehe kann zu keinem Gefühl verpflichten. Ich hätte mich dann ganz friedlich von ihm getrennt und ihm seine Freiheit auch formell wiedergegeben. Ohne Groll, ohne Feindschaft.

Aber daß er wahllos mit allen möglichen Mädchen herumziehen sollte, war eine andere Sache. Ich glaubte es nicht. Warum hätte er ihre Gesellschaft der meinen vorziehen sollen? Warum, wieso? Ich war verwirrt. Wer war eigentlich dieser Mensch? Was für ein Leben führte er eigentlich? War die Vertraulichkeit seinerseits – erlogen? Gab es denn Menschen, die so etwas fingieren konnten?

Ich wußte nichts, glaubte nichts, zweifelte an allem.

Eine Angst fiel in mein Herz. Eine unerklärbare Angst vor – ich weiß nicht was.

Ich hatte dem Menschen vertraut, als ich ihn heiratete.

Und wie stand ich nun da, in den Augen aller Welt, wenn sich die Sache, für die ich mich so sehr eingesetzt hatte, als unhaltbar erwies?

Anfangs war dieses Gefühl sehr stark in mir. Später, als es notwendig wurde, war der Gedanke an die Meinung aller Welt wie fortgeblasen.