Ich weiß, daß an dem Abend eine Stimmung mich ergriff, die sich meiner Beherrschung entzog. Es war eine wilde Verzweiflung in mir, die sich in Form einer ziemlich »degagierten« Lustigkeit entlud. Die Champagnergläser wurden immer wieder gefüllt und immer wieder geleert. Van Haer selbst trank nicht. Wir waren etwa vierzig Personen, von denen ich mit den meisten bekannt war. Das Fehlen meines Mannes hatte ich oberflächlich entschuldigt.
Nach Zwölf, als der Ball begann, schlug mir van Haer einen Spaziergang vor. Niemand würde unsere Abwesenheit bemerken. Draußen ruhte der Wald im Schnee und Frieden. Er holte mir einen Pelz, und ich folgte ihm.
Die Luft befreite mich von meinem Champagnerschwips. Er hatte mir den Arm geboten und nahm meine Hand in seine. Ich ließ es geschehen. Er fragte nach meinem Mann. Ich gebrauchte eine Ausflucht.
Wir blieben nicht lange fort. Als wir wiederkamen, tanzte ich ein paar Runden und zog mich dann auf mein Zimmer zurück.
Als ich in dieses Zimmer eintrat, fand ich eine Tür, die ich auch früher bemerkt hatte, und die zu einem Nebenzimmer führte, geöffnet und angelehnt. Der Schlüssel fehlte.
Angesichts dieser Tatsache fand ich meine Kaltblütigkeit wieder. Also so dachte er sich das.
Ich vertauschte mein Ballkleid mit einem Schlafrock und legte mich merkwürdig unbesorgt aufs Sofa.
Es dauerte nicht lange, als es klopfte. Van Haer trat ein. Meine Frage nach dem Schlüssel und nach der Bedeutung dieser Vorgänge blieb mir in der Kehle stecken. Verdutzt sah ich ihn an: er hatte sich in ein sonderbares Gewand geworfen. Es war eine Art Toga, aber von bunten, orientalischen Geweben mit Seidenstickereien und Edelsteinen geschmückt. Meine Spannung entlud sich in einem Gelächter: »Sie hätten mich auf elegantere Weise verführen müssen, Herr van Haer.«
Und ich lachte und lachte.