Er sprach meinen Namen »Maja« gerne aus; das j ist der arabischen Zunge geläufig und kommt in dem zärtlichen Kosenamen Ajuni vor. Ajuni-Habibi hörte ich ihn öfters sagen.
Eines Tages fragte er mich: »Maja-Ajuni, pouririez-vous m'aimer un petit peu?«
Ich wußte nichts zu antworten. Aber ich überließ ihm meine Hände. Und er nahm ein Päckchen aus der Tasche und legte es mir in den Schoß. Seine Mutter sende es mir. Es war eine Perlenschnur, eine einzige lange Kette, die er mir dreimal um den Hals schlang. Er warf sie über mich, – wie damals im Café die Schlinge des Gesprächs.
Ich empfand das alles wie im Traum. Es »geschah« mit mir.
Liebte ich ihn? Ich fragte mich danach, als ich nachts, ruhelos und doch von einer köstlichen Wärme erfüllt, in meinem Zimmer auf und ab schritt. Ich trat auf die Terrasse. Magnoliendüfte schlugen mir entgegen. Das Meer rauschte auf. Liebte ich ihn?
Aber eine Antwort kam mir nirgends.
Da ich die Mutter nicht an der Seite hatte, so wurde die Verlobung nicht offiziell bekannt gegeben. Aber er ließ es seine Freunde vertraulich wissen, wie es um uns stand, und man verdoppelte die Aufmerksamkeit gegen mich. Im übrigen war er noch viel vorsichtiger als bisher, in allem, was meinen Ruf betraf. Ich durfte um keinen Preis kompromittiert werden, da ich als seine Frau hier leben würde. Ohne Begleitung waren wir überhaupt nicht mehr zu sehen, weder zu Fuß noch zu Wagen. Mich auf meinem Zimmer aufzusuchen, wagte er nicht. Mich im Salon des Hotels zu treffen und abends im öffentlichen Saal mit mir zu speisen, war das Äußerste, was er sich gestattete.
Dennoch sehnte er sich natürlich nach vertraulichem Beisammensein mit mir. Seine Wohnung durfte ich ohne Begleitung noch weniger betreten, als er die meine.