Endlich verfiel er auf einen Ausweg. Seine Chancellerie, sein offizielles Büro, war des Abends leer und gesperrt. Da sollte ich ihn aufsuchen.
Ängstlich schlich ich eines Abends dahin. Er erwartete mich im Finstern. Er hatte kein Licht zu machen gewagt. Eine Türe öffnete sich, und ein fremder Mann zog mich in ein dunkles Zimmer. Ich wollte fort. Augenblicks. Er beschwor mich, zu warten, er könne erst um zehn Uhr das Zimmer unbemerkt elektrisch beleuchten. Da ich nicht nachgab, zündete er schließlich eine Kerze an, und das beruhigte mich. Ich fand mich in einem Büro, zwischen Pulten und Sesseln, und atmete auf.
Hier verplauderten wir nun an freien Abenden, wenn wir nicht eingeladen waren, die Stunden.
Er schilderte mir das Leben, das mich an seiner Seite erwartete, mit seinen vielen Verpflichtungen. Und das »Ideal«, das er von seiner zukünftigen Frau sich gemacht hatte. In der Politik sollte sie so wohlunterrichtet sein wie er. Über alles wünsche er mit seiner Frau zu sprechen. »Même la philosophie«. Sogar über Philosophie. Ich wunderte mich über diesen Wunsch, denn die Namen der großen Philosophen waren ihm fremd. Goethe, Schopenhauer, Kant – sie hatten mit seiner Kultur nichts zu tun.
Er wünschte also seine Frau »intelligente«. »Pourtant elle doit être soumise. Car elle a besoin de protection.«
Dennoch sollte sie – soumise (wie ist das zu übersetzen? Unterwürfig?) sein, da sie des Schutzes bedarf. Daß sie des Schutzes bedarf, die Frau, räumte ich ein, aber gerade deswegen sollte sie, meiner Meinung nach, nicht allzu soumise sein!
In der freiwilligen, zarten Soumission dessen, der den Schutz spendet, schien mir der Begriff aller Kultur zu liegen.
Er schnitt das Thema ab und sagte mir: »Tu pourra me mener à un fil de soie, si tu seras prudente.«
An einem Seidenfaden konnte ich ihn führen? Mit Vorsicht?