Seine Muttersprache, in der er dachte, sollte mir nicht fremd bleiben.

Er trieb also in diesen Stunden in der Chancellerie Arabisch mit mir. Und da wir kein anderes Hilfsbuch hatten, nahm er seine Ausgabe des Koran vor. Er übersetzte mir Satz für Satz und Wort für Wort. Ich folgte mit großem Interesse. Und machte meine Einwürfe und fragte ihn dies und das, was über das Interesse an der Sprache hinausging und sich auf den Inhalt, den geheimnisvollen und bilderreichen Inhalt dessen, was wir da lasen, bezog. Er hatte diese Abstecher von dem Sprachunterricht eigentlich nicht gern und war nicht einverstanden, daß ich so sehr nach Deutungen suchte: »Je ne veux pas que tu soies trop profonde!«

Überhaupt hörte ich oft: »Je ne veux pas que tu soies« –, oder: »Je veux que tu soies«, oder: »La femme doit être« – und immer als Schluß aller seiner Ermahnungen: »Ai-je raison, oui ou non?«


Mit meiner öffentlichen Betätigung als Sängerin mußte es natürlich vorbei sein. Ausnahmsweise gestattete er mir bei einem Wohltätigkeitskonzert, das zu Gunsten der Ortsarmen von Damen der Gesellschaft veranstaltet wurde, mitzuwirken. Das Konzert trug einen dilettantischen Charakter. Die es veranstalteten, bestritten zum großen Teil das Programm, Damen und Herren, die einen vornehmen Namen als Anziehungspunkt aufs Programm setzten und sich wohltätig unterhalten wollten. Darum eben gestattete er mir die Mitwirkung.

Nicht als Künstlerin, als Mitglied dieser Gesellschaft durfte ich da öffentlich singen.

Meine Stimme schlug die der Salondilettanten, und meine Nummer hatte den stärksten Erfolg. Zum Schluß mußte ich eine Zugabe machen. Ich sang das italienische Lied »L'ombra di Carmen«: »Was du siehst, o Don José, es ist nicht Carmen. Den Schatten Carmens siehst du nur, o Don José« ...

Er trat zu mir hinein, ins Künstlerzimmer: »Ah cette voix, cette voix! Mais c'est la dernière fois que tu la fasses entendre publiquement. Dès aujourd'hui – pour le salon.«

Und er reichte mir den Arm und führte mich zum Ausgang, zurück durch den Saal, durch die Reihen des Publikums, stolz wie ein König.