»Jalousie?«
Sie gab mir zu verstehen – daß – mein Gott, man hatte gemunkelt – Hilmi Pascha und die schöne Gräfin – ihr Mann, der kleine Italiener, konnte sich neben ihm nicht blicken lassen. »Dans la diplomatie – eh bien, que voulez-vous!«
Und zum Schluß gab sie eine ganz grauenhafte Geschichte zum Besten: von Hilmi Paschas – Köchin, die er schließlich entlassen mußte, mußte. »En garçon – que voulez-vous!«
Indem sie mir tiefe Diskretion auftrug, verließ mich die Holde.
Abends, als er zum Speisen kam und wir uns im Speisesaal des Hotels trafen, erzählte ich ihm von dem Besuch der Barozzi. Die Köchin würgte mich in der Kehle, aber ich schluckte sie tapfer hinunter. Aber das mit Etelka mußte angetippt werden. So ganz – leichthin: »Est – ce vrai, que vous avez été l'amant de cette femme?« Er raste und schäumte. Welch schändliche Verleumdung! »Ah cette vipère!« Damit meinte er die Barozzi.
»Mais voyons, – c'est ta seconde mère!«
»Ah ma seconde mère! Une vipère te dis-je! Méprise-la, cette vipère!«
Das mit der Köchin hätte ich nicht herausbringen können. Denn da hätte ich ihn in einem Punkt getroffen, in dem er keinen Spaß verstand. Dieser Punkt hieß »dignité!« Die männliche »Würde« lernte ich an Yussuff Hilmi Pascha in ihrer ganzen schrecklichen Wucht kennen und fürchten. Nimmermehr hätte er seine Schritte beschleunigt, um einen Zug, der abfahren wollte, zu erreichen. Nimmermehr den Gruß eines seiner Beamten so erwidert, wie den eines Kollegen. Nimmermehr einer – Frau erlaubt, in irgend etwas Kritik an ihm zu üben: dignité!
Was meine Vergangenheit betraf, so wollte er nun und nimmermehr glauben, daß ich seit meiner Scheidung – allein gelebt hatte. Unmöglich. Er verziehe mir alles, nur solle ich es ihm eingestehen. Käme er mir später auf etwas, so würde er sich betrogen fühlen. Und mein Nein wollte er durchaus nicht glauben.