Sein Brief kam und tat das übrige. »Je suis despote de toute ma nature«, hieß es da. Ich sah das Gesicht, sah es so, wie es bei der geringsten Meinungsverschiedenheit gewesen war, – mit dem grausamen Zug um den Mund, der sich im Bart verbarg, mit den Augen, die immer gleich »rollten«.
Daß er es wagte, mich zu »strafen« mit seinem Stillschweigen, gab den Ausschlag. Er schrieb es ganz ohne Scham: »J'ai voulu te punir.«
Es war wieder einer jener Momente, wo ich deutlich fühlte, daß ich mußte, wo ich mich geschoben fühlte, wie an einem Marionettendraht.
»Monsieur, veuillez me rendre mes papiers de divorce, mes lettres et mes photographies. Moi je m'engage de vous rendre vos lettres et votre photographie au moment où j'aurai les miens.«
Nichts weiter. Die Perlenschnur sandte ich gleich.
Als ich Hilmi Pascha diesen Brief schrieb, war mir, als hörte ich eine drohende, flehende, zwingende Stimme: Opfere mich nicht! Schütze mich dir! Mich, deine Stimme!
So endete meine Verlobung mit Yussuff Hilmi Pascha, Ministre plénipotentiaire de la Porte Sublime. Sie zerbrach mir unter den Händen. Warum, weshalb?
»Le sais-je?«
Nimmer kann eine Tintenfehde Menschen trennen, die ihrem innersten Wesen nach zusammengehören. Leicht entwickelt sich durch die Trennung, die Unvollständigkeit der schriftlichen Mitteilung, die Unberechenbarkeit der Stimmung, in der ein Brief empfangen wird, Gereiztheit und Mißverstehen auch zwischen wirklich Liebenden.