Aber unter allem Papiergeknister behält doch das Wesentliche einer Beziehung seine Stimme. Die Tinte ist ein dräuender schwarzer Mann. Macht er aber allzu gefährliche Mienen, dann wird die Stimme, die wahre Herzensstimme der Beziehung irgendwie laut und jagt ihn in die Flucht. Und alle geschriebenen Mißverständnisse müssen dann schleunigst auf ihren schwarzen Tintenfüßen das Weite suchen.
Nicht die Tinte hatte uns getrennt, den Diplomaten und mich. Das Wesen selbst, die innere Stimme dieser Beziehung war laut geworden und hatte es getan.
Ich hatte gefühlt, daß ich tun mußte, wie ich tat. Ich kann nicht sagen, daß es leicht war, und ich trug schwer daran. Es war ein Kampf um nichts weniger und nichts mehr, als sich selbst »treu zu bleiben« oder nicht. Doppelt schwer deshalb, weil man sich selbst ja noch nicht bestätigt worden war! Niemand war da gewesen, der einen ganz und gar umfaßt hätte und das, was er also umfaßte, für gut befand.
Man wußte nicht, ob nicht auf jener anderen Seite die Wahrheit liege, ob man nicht besser täte, sich nachzubilden den Forderungen, die dort gestellt wurden und sich – als das, was man im Widerspruch mit jenem anderen war, – aufzugeben.
Aber die Stimme rief mit einer Gewalt, die nicht zu übertönen war! Und wie eine mächtige Hand erfaßt es einen und schob und schob!
Ich glaube, nein, ich weiß es heute: eines starken Willens sein, heißt nicht wollen, sondern wollen müssen.
Warum hatte ich diese Werbung so ohne weiteres angenommen? Warum so zugegriffen? Neben den reizvollen Kulissen, die dieses »Stück« dekoriert hatten und eine so sympathische Stimmung hervorriefen, ist auch eines nicht zu vergessen: die Ödigkeit, die Vereinsamung, dieser schreckliche Mangel an auch nur normal »wohlgebildeten« Leuten, solchen, die nicht irgend etwas direkt Abstoßendes an sich haben. Dieser Mangel, der sich heute in allen gesellschaftlichen Kreisen so sehr fühlbar macht!
Ist das wirklich eine Naturnotwendigkeit, daß wir uns vom Menschen immer mehr entfernen? Daß es unter all den hunderttausend Leuten so wenig Menschen gibt, – so wenig Schönheit, an die man sich vertrauend und heiter anschmiegen könnte, ohne Schlimmes oder Groteskes dabei zu erleben?