Bald darauf erfuhr ich, daß er sich mit einer Tochter des Ministers der Zivilliste des Padischah vermählt habe, und daß er durch diese Karriereheirat Gesandter geworden und nach Ostasien versetzt war. Er sagte mir auch immer, daß er in der Botschafterkarriere sei. »Tu seras ambassaderesse un jour, tu le sais?«

Ambassaderesse in Ostasien! Würde ich dieses Klima vertragen haben?

Auch erzählte er mir von unseren gesellschaftlichen Verpflichtungen in dieser Stellung: vier große Diners müßten wir mindestens während des Karnevals geben. Und fast jeder Tag der Woche sei besetzt durch einen Jour bei den verschiedenen Damen. In der Diplomatie sei das nun einmal nicht anders. Darin bestehe sie ja eben (teilweise).

Jeden Tag ein Damentee? Würde ich dieses Klima vertragen haben?


Gibt es etwas wie ein »Schicksal«? Eines, das etwas anderes noch ist, als das Fazit eines unkonstruierbaren Rechenexempels, etwas anderes, als die nachgezogene Summe einer Addition? Eine voraufgestellte Summe, in die wir hineinleben, bis sie voll ist?

Woher kommt dieses Gefühl: dies mußte so sein. Warum kann ich mir nichts wegdenken, nicht anders denken in meinem Schicksal? Ist sie das Schicksal, anima? Hauch der Gottesseele? Gesetz und Nötigung, Motor geworden, in mir? Schiebend und zeugend geworden in mir, Folgen zeugend, unerbittlich, Folgen aus Gründen? Das treibende Agens, das, den Dingen innewohnend, sie zu logischer Wirkung führt, zur Entwicklung ihres eigenen Wesens und damit zur Erfüllung ihrer »Bestimmung« – Schicksal, Gott? – Gott – das logische Prinzip?

Warum kann ich mir nicht denken, daß du mich vor zehn Jahren gefunden hättest und ich allen meinen »Schicksalen« entronnen wäre? Warum das Gefühl, daß sie mir notwendig waren, wie Stationen auf einem Passionsweg?