Ich nahm mir vor, nicht hinzugehen, und teilte ihm das am Vormittag durch eine Rohrpostkarte mit. Am Nachmittag sandte ich eine andere, ich käme dennoch. Am Abend war ich entschlossen, auf keinen Fall hinzugehen und kleidete mich fürs Theater an. Ich ließ einen Wagen holen und fuhr zur Oper. Als der Wagen da vorfuhr, beugte ich mich aus dem Fenster und rief dem Kutscher die Adresse von Dr. Gruschks Wohnung zu.
Er erwartete mich wie einer, der lange gehungert hat. – – –
Und ich? Ich hatte Jahre hinter mir, in denen ich in einer Wüste gelebt hatte.
Das Sonderbarste war, daß Dimitri – er hieß Zdenko Dimitri, dankte diese beiden Namen einem slovenischen Vater und einer russischen Mutter und wurde von allen anderen Zdenko genannt, – das Sonderbarste war, daß er durchaus heiraten wollte. Daran hatte ich gar nicht gedacht. Auch Yussuff hatte ja kein »Abenteuer« mit mir gesucht. »Je ne veux pas te posséder, je veux t'avoir«, hatte er gesagt, als wir uns verlobten.
Auch Dimitri wollte mich »haben«. Ich sagte ihm, er täusche sich über sich selbst. Die Unbequemlichkeit des Nachhausegehens, die vielen »Sperrsechser«, das alles verlocke ihn zum Heiraten. Er gab mir recht. Aber seien das nicht die zwingendsten Gründe dazu?
Ehe ich mich recht besann, wie mir geschah, war ich zum zweitenmal verheiratet.
Es blieb bei der getrennten Menage und der doppelten Wohnung. Ich behielt die meine, er sein mehr als dürftiges Zimmer. Er wollte es nicht anders, da er weniger hatte als ich und an meinem »Sichern« nicht teilnehmen wollte. Er war ungemein stolz in diesem Punkt.