Ich gab es auf, die Zahl dieser Rivalinnen zu mehren, um das was – ich war.
Eine »Herrin«, die sich nicht von ihm zerstören ließe, so sagte er einmal, wäre sein Ideal.
Ach, ich fürchte, die wird er nicht finden. Wenn eine selbst die Schönheit einer Venus und das Temperament einer Bajadere hätte – und die Heiligkeit einer Büßerin ihr fehlte, so würde er gerade nach dem fehlenden begehren.
Er war wie bloßliegend allem gegenüber. Was immer er sah, hörte, las, erfuhr, er war's, den es betraf, ihn ging es an, und unser Verhältnis wurde daran gemessen. Er sah »Cyprienne«. Und das tänzelnde, leichtgeschürzte weibliche Element war drei Tage lang sein Ideal. So etwas, was man »bewachen« müßte.
Er sah Rosmersholm. »Siehst du nicht, daß das wir sind, die da oben?« fragte er mich im Zwischenakt, und sein »strenges« Gesicht verhieß mir nichts Gutes. Er, der Adelsmensch, ich, was davon bezwungen werden müßte!
»Siehst du nicht, daß das wir sind?«
Nein ich sah es nicht.
Und er war es wirklich, der das alles war. Alles und – nichts? Nein. Etwas immerhin. Viel! Aber – ohne harte, abgegrenzte, sich behauptende Form. Er zerfloß nach allen Seiten. »Charakterlos« pflegte er selbst von sich zu sagen. Nein. Aber gestaltlos, ganz »Inhalt«, ganz »Fülle«, ohne den geheimnisvollen, eingeborenen, unerwerbbaren Willen zur Form.