Er kannte kein anderes Thema, als den »Abgrund des Subjektes« (Goethe). Jene Gegend, die, meiner Meinung nach, der Künstler beschützen muß vor sich selbst, will er nicht erleben, was jener dreiste Jüngling zu Sais erlebte, was Faust bei den »Müttern« erlebte!

Im Abgrund des Subjektes wohnt, was das Symbol zerstört. »Alles Vergängliche ist nur Gleichnis.« Ist aber die Macht zum Symbol gebrochen, dann fahr' wohl, Kunst!

»Alle Kunst ist Oberfläche, Symbol!« sprach ein anderer, Wilde. Ein tiefes Wahrwort. Darin, daß wir jede Erscheinung nur durch die Kraft eines Gleichnisses, eines Bildes (also immer wieder nur durch Vergleich mit einem anderen Ding) dichterisch sinnfällig, anschaulich gestalten können, darin liegt ein Hinweis, daß wir dem Ding selbst nur durch Spiegelung seiner Oberfläche, von allen ihren zahlreichen Seiten, nahekommen können.

Darum wird alle Kunst und alle Weltanschauung, die »tiefer« dringen will, als zum Symbol, im Irrsinn scheitern. Der Mensch muß sein Selbst schützen vor sich selbst!

Das wollte er nimmermehr begreifen. Das heißt, theoretisch begriff er es wohl. Aber praktisch ging es ihm nicht ein. Der Abgrund des Subjektes war sein täglicher Hausspaziergang und ich auf diesem anstrengenden Pfad seine Begleiterin.


Ich weiß von Straßenszenen sogar, wo er bohrte und wühlte und ich laut schluchzend neben ihm ging.

Und es ging weiter, unbeschreiblich, unfaßbar für solche, die so etwas nicht erlebt haben.

Zu Hause angelangt, fiel ich dann erschöpft aufs Sofa. Er deckte mich mit einer Decke zu, legte mir einen Polster unter den Kopf und bereitete Tee, den er mir aufnötigte. Dann setzte er sich neben mich und spielte ganz leise, pianissimo, oft auch nur mit zupfenden Griffen (ohne Bogen, wie Mandoline), auf der Fiedel. Blaß und schmerzverwühlt war sein Gesicht. Seine blauen Augen schienen unnatürlich groß und flackerten dunkel.

Keiner von uns beiden hätte das Substrat des »Streites«, der aufwühlenden Szene, zu sagen gewußt.