Er hatte ihr Unterkunft besorgt und kümmerte sich überhaupt sehr freundschaftlich um sie. Er habe eine wahre Verehrung für dieses Mädchen, sagte er mir. Er hätte nie gedacht, daß eine Frau ein so »moralisch leidender« Mensch sein könne. Ihr intellektueller Horizont sei begrenzt. Aber die »Moral« sei ihr »Problem geworden«, wie er dies nur bei Männern für möglich gehalten. Sie verstehe, was es heiße, »an sich selbst schuldig werden«. Sie war ein »Adelsmensch«.

Ich konnte dieser Meinung gegenüber keinerlei Kritik üben, denn mir gegenüber gab sie sich ja nicht zu erkennen.


Wie er mir zuzeiten die »Hetäre« als das wahre Idol für die Sehnsucht des Mannes hinstellte, so nun, seit diese Dame aufgetaucht war, das im Weibe verkörperte »ethische« Prinzip.

Er erzählte mir ihre Aussprüche. Nur ein »hochstehender« Mann könnte für sie in Frage kommen, hätte sie gesagt. Und gleichzeitig hätte sie hinzugefügt: ob sie einem solchen Mann wohl intellektuell und moralisch genügen könnte? Sie habe sich darauf gefaßt gemacht, »einsam« zu bleiben, weil sie nicht »besser« sei!

Und Dimitri sagte: »Hast du dich jemals gefragt, ob du einem solchen Manne genügen könntest?! Hast du dich jemals bemüht, besser zu sein?!«

Er sagte es, sagte es wörtlich, Johannes, du, für den ich diese Blätter schreibe!

Er sagte es wörtlich, Johannes!

Der Schweiß bricht mir aus, da ich diese Zeilen schreibe. Mein Gesicht ist über und über bedeckt davon. Meine Hand zittert, – ich kann nicht weiterschreiben für heute.