Auch zwischen uns wollte es nicht gut werden. Ich hatte verziehen und ohne merken zu lassen, daß ich verzieh, er aber konnte nicht verzeihen, daß ich etwas zu verzeihen hatte. Lauernd und mißtrauisch zerfaserte er jede meiner Äußerungen. Überall vermutete er Scheu und Überwindung.
Ich suchte mit allen Mitteln auf dieses zerstörte Gemüt zu »wirken«, mit allen Mitteln, ach! »Wozu sonst bist du gut, – Stimmlose,« dachte ich bei mir, »sei wenigstens zu etwas nütze!«
»Du – du Frau, – ich weiß nicht, – ich werde immer verwirrter. Wenn ich von dir bin, – habe ich so böse, böse Gefühle! Ich weiß nicht, warum. Und wenn ich dann da bin, mit dir, es ist dann einfach Glück. Ich weiß nichts mehr, ich weiß nichts mehr.«
Ich saß in einem Sessel am Klavier. Ich sah ihn an, voller Weh: »Dimitrino!« Lange, lange hatte ich ihn nicht mehr so genannt.
Er stürzte nieder, umschlang meine Füße, vergrub seinen Kopf in meinem Schoß und weinte da bitterlich.
Immer habe ich ein Wehgefühl für ihn im Herzen gehabt. Oft geschah es, daß ich nachts erwachte, in Tränen gebadet, mit einem dumpfen, schweren Druck im Herzen.
Dann war mir, als spräche ich zu ihm: über seine Leiden. Er war sehr zart, disponierte zu Lungenkrankheiten, und ich lebte in ewiger Angst darüber.