Sein Kampf ums Brot, dieser rastlose, täglich neue Wurf ins Ungewisse, war mit Schuld an seinen tiefen, schweren Depressionen. Ein Dichter, ein Singender (oder doch ein Singen-Sollender), dem die bleiche Brotangst die Kehle zuschnürt, – ein Unding ist's, ein grausames, widersinniges Unding! Denn das Material, das kostbare, geht dahin in diesem verzweifelten Ringen mit ihr, der bleichen, der schlottrigen, der würgenden Brotfurcht. Wenn der Tischler, der Schuster oder wer sonst immer Sorgen hat, so wird ihm doch nicht sein Holz oder sein Leder davon ruiniert! Der Dichter, der Sänger ist der Einzige, dem diese gemeinste, fürchterlichste Sorge sein Material zerstört, das kostbare, das unersetzliche Material: die Stimme. Das Zarteste im Menschen, das Tönen seiner Seele, – anima, die Stimme wird gebrochen von der Not.


Warum laßt ihr sie verfliegen, verwehen, verdorren diese Stimmen? Warum duldet ihr, daß sie in Notrufen sich heiser gellen? Warum verwendet ihr sie als Ausschreier für Jahrmarktsbuden?

Sorget, sorget für diese Stimmen, wo immer Not und Jammer sie zu ersticken und zu erwürgen drohen: eine nationale Pflicht, so lange Nationen überhaupt bestehen und nicht eine einzige Weltbürgerschaft!

Sorget! Denn sind es nicht die deutlichsten, die vernehmbarsten Stimmen der Nation?


Dieser gemeine Kampf machte Dimitri irre. Irre an seiner Bestimmung, an seiner Berufung. Irr und wirr wurde ihm alles, was er tat und wollte. Sünde und Wahnsinn griffen nach ihm mit gekrallten Fingern.

Nie dachte ich mir: »Warum habe ich mein Schicksal mit diesem Elend verknüpft?« Meine Sache war es, mit ihm zu tragen, was hereinbrechen mochte über ihn, – von außen und aus ihm selbst. Tragen, tragen.

Aber das erstemal kam ich auf den Grund des Begriffes »Irrsinn«.