Ich sah ihn über mich gebeugt in dem verschwimmenden Halbdunkel und hörte, wie er mit rauher, keuchender Stimme und doch, wie beschwörend, mit der ganzen Kraft der alten, wilden Liebe mir zurief: »Maja, rette dich vor mir!«
Und er sah mich an, mit ekstatischen Augen, die mir rieten, zu fliehen.
Die Koffer wurden wieder einmal vom Boden geholt. Aber nicht gepackt wie sonst, wo sorgliche Mutterhand das besorgte. Nicht hineingelegt, hineingeworfen wurde das Notwendigste. Nur schnell, nur schnell. In drei Stunden war ich reisefertig.
Und als mir, während der Zug an der Donau dahinbrauste, die Türme von Wien verschwanden, da holte ich erst Atem. Lebewohl, Wien, du strahlendes, schönes, üppiges! Lebewohl, du Stadt der Gesicherten, aber nicht der Werdenden!
Und ich fuhr dahin – in ein härteres Klima.
Ich kam hier an. Ich schrieb einen Brief an Dimitri. »Da es aus sein soll, soll es ganz aus sein. Gib mir keine Nachricht und verlange keine von mir.« – Er ist frei, wie er es im Grunde sein wollte und wohl auch sein muß. Unser »Eheband« wird keinen von beiden stören. Braucht einer von uns beiden auch formal seine Freiheit wieder, so wird er keiner Schwierigkeit beim anderen begegnen. Auch die Grimasse der »Freundschaft« wollen wir nicht schneiden. Freundschaft entsteht nicht, wenn die Liebe geflohen ist. Lieber begnüge ich mich mit Zwerghaftem, das in seiner Art ganz und heil ist – dem konventionellen Verkehr mit »Bekannten« –, als daß ich den Torso von etwas, das größer war, als dieses Zwerghafte, mit mir weiterschleppe. Auf den Scheiterhaufen damit! Ein reinlicher Brand – eine Handvoll Asche – Einsamkeit.
Keine Nachricht von Dimitri. Gottlob er hält sich an meinen Wunsch. Auch ich gebe keine. Wozu Erörterungen, Polemiken? Wir wissen genug. Wir wissen alles. Wir wissen, daß wir sehen müssen, uns wiederzufinden, – nicht einander wiederzufinden, nimmermehr! – sondern jeder sich selbst wiederzufinden, frei vom andern.