Gute Genien waren um mich in dieser Stadt. Große, stolze, gleichgültige Stadt. Gibt Raum dem Individuum. In meiner Heimat, dem schönen Wien, da fehlt einem manchmal dieser Raum. Ich verstand es nicht, dieses Wien, da ich darin festsaß. Ich litt an ihm, aber ich wußte nicht, woran es lag.

Wer hatte Wohlwollen für mich? Wohlwollen, – Himmelsmanna der werdenden Seele, die »gläubiger und schützender Kräfte bedarf«, wie Altenberg sagt. Wo waren diese gläubigen, schützenden, zärtlichen Kräfte, derer die Zarte, anima, bedarf?

Von niemandem habe ich jemals in einer schwierigen äußeren Lage meines Lebens, jemals in innerer Verwirrung einen Rat bekommen (einen, den ich hätte brauchen können, nämlich). Wie verschüttet war meine Situation zeitweilig, innerlich und äußerlich. Ich glaubte kaum je wieder herauszukommen aus solchem Zusammenbruch.

Keine Seele gab mir einen Wink. Geschweige denn, daß eine Hand sich mir entgegengestreckt hätte. Nichts, nichts. Und ich sah, die Sache lag so: komme herauf durch dich selbst, auferstehe durch deine eigene, innere Gewalt, sprenge Grüfte und Grabsteine und erlöse dich selbst, o messianische Seele, oder – bleibe unten und vermodere.

Und meine Seele wurde stark, da sie so erkannte.


Irgendwo müßte es doch jemanden geben, dachte ich mir immer, von dem es einen nicht fortschleuderte, bei dem man gern und willig bliebe. »Hinauskommen« lautet ja das moderne Wort für dieses Fortwollen, Fortmüssen.

Ich ersehnte nichts sehnlicher mein Lebenlang, als den zu finden, über den ich nicht »hinauskäme«. Von dem ich nicht hätte – wegreisen wollen.

Aber was ich an Menschen erlebte, schleuderte mich fort von ihnen. Wo wäre ein Mensch, zu dem man sagen könnte, was jener Magier zum Augenblicke sagen wollte: »Verweile doch! Du bist so schön!«