Einmal einem solchen »Menschen« begegnen und mit ihm verbunden sein, einmal nichts Häßliches erleben an einem Menschen, und gefeit wäre ich gegen alle Gefahr, – gegen alle Versuchung, auf falsche Geleise zu geraten, wenn ich es einmal nur erlebte!

An einem einzigen Tage bin ich immer mit Menschen fertig geworden. An einem einzigen, resoluten und resignierenden Schlußtag habe ich mich immer abwenden und weitergehen müssen – in Einsamkeit. Und meine Treue blieb unbelohnt.


Diese Versuchung, ja diese wahrhaftige Versuchung überkam mich öfters. Diese Versuchung – abzuschwören den Glauben, mit dem ich geboren war. Zur wahrhaftigen Renegatin zu werden, aufzuhören zu glauben an mein – Eiland. Zu kapitulieren, bevor alle Meere durchkreuzt waren.

Ich war nahe daran abzuschwören, diesen meinen Glauben daran. Und meine Abschwörungsformel hätte so gelautet: Begnüge Dich mit Oberfläche, damit du nicht ganz und gar verhungerst. Gib auf Deinen Traum von einem Eiland irdischer Seeligkeit! Es gibt nicht das, was du dir vorstellst. Nimm ein bißchen Schönheit, ein bißchen Wärme, wo du sie findest, und erwarte nichts weiter von denen, denen du in diesem Sinne begegnest.


Was' hab ich Tage, Monate und Jahre verbracht, von denen ich die meisten verrinnen lassen mußte, sie, die das Leben mit sich führen und es mir zuströmen sollten, die ich wartend am Ufer stand. Sie verrannen mir, sie verrieselten im Sand, im Nichts. Und eilig, eilig geht es mit solchen verschütteten, verrinnenden, versandenden Tagen!

Er strömt dahin auf dem Boden, der kostbare Lebenssaft, der Lebenstropfen, der Tag, und nichts wird durch ihn!

Die traurigsten Zeiten waren das, wo ich die Tage so verströmen sah und doch nichts, nichts daran ändern konnte! Denn ausgewartet will das sein. Es gab nichts anderes, als – warten. Man mußte sich hineinsetzen, die Hände im Schoß, und warten, warten, ob nicht doch angespült würde von ihnen, den Tagen, angeschwemmt würde ans Ufer das Erwartete, – Leben.