Tage gibt es wahrlich, die uns schleifen, wie ich es auf dem ersten dieser Blätter sagte. Schleifen und verschütten und begraben unter sich selbst. Sie wälzen sich auf uns und türmen sich da zu Wochen, Monaten, so lange, bis jene Kraft, welche Grüfte sprengt, auch diese Leichenhaufen toter Tage, unter denen sie, ein Lebendes, verschüttet ist, abwälzt und aus ihnen heraufdrängt, in engen Spalten erst, dann immer breiter und breiter, bis sie nicht mehr zu verdrängen und zu verschütten ist und, erlöst, sich über den Tag schwingt und ihn zwingt, ihr zu dienen.
Und Jahre vergingen mit dem Sichumsehen. Ich wußte, daß vieles zu erfahren sei. Aber niemand konnte es mir sagen, übermitteln. Es mußte eben selbst – erfahren werden. Man mußte es selbst herausbekommen, das Geheimnis: Wo der Fuß eigentlich hinzusetzen sei, auf daß man schön und sicher stehe. Und endlose Gehübungen zu diesem Zwecke! Zickzackwege, von denen keiner ein Ziel hatte, als das, wieder zurückzuführen auf die – Linie. Aber die Linie verlängerte sich doch. Und es wurde eine Straße und man kam doch weiter und weiter auf ihr.
Wanderjahre!
Und allmählich wurde die Linie glatter, direkter.
Wohl denen, die mit dem Ziele zu sich, mit den Wegweisern zu sich geboren sind! Das Ideal ihrer Linie führt sie, trotz allen Zickzackgeschlängels, immer wieder – zu sich.
Aber es gibt solche, deren Wege keine notwendige Biegung zu einer Hauptlinie haben. Deren Wege in Sackgassen einlaufen, aus denen es kein Zurück mehr gibt und an deren Mauern sich jene die Köpfe zerschellen. Oder in die Runde führen, ohne auffindbare, ruhende Ausgangsstelle, ein narreteiendes Ringelspiel. Oder in Gestrüppe, Klüfte und Höhlen münden. Oder sich verschlingen und kreuzen, lockend und den armen Läufer zu Tode hetzend. Betörend und problematisch, ihn immer tiefer verwirrend, – wie jener fünffach verschlungene Kreuzweg, den, nach buddhistischer Vorstellung, alle die durchirren müssen, die dem Sakyasohne nicht nachwandeln – – – oder zu Christus nicht finden.
Wie wild mein Leben doch eigentlich aussieht! Und dabei bin ich eine so treue, kleine Klette. Immer wenn ich mich zu einer Bindung entschloß, hatte ich den ehrlichen Wunsch, es möchte für ewig sein. Und ich hielt ja auch aus, – ach – so ewig wie möglich!