Ja, sie war in einen Katarakt geraten.
Aber gibt es nicht Bäche, Quellen, Ströme, die so einen Katarakt durchfließen? Für verloren gehalten werden, so lange sie da drinnen sind, – bis sie dann plötzlich heraustreten aus dem Getöse und ihres Weges ziehen. Solche Gewässer, die ihre Form bewahren, auch wenn sie in andere Gewässer geraten, ihre Aggregate zusammenhalten, wie der Golfstrom, der ja bekanntlich so stark, so breit, so heiß wie er in seinem Flußbett dahinzieht, auch andere Gewässer durchfließt.
Diese Blätter lassen mich nicht! Von früh sieben Uhr, wenn ich die Augen aufschlage, bis Mitternacht und oft noch länger bin ich mit ihnen. Ich gehe nirgends hin, ich kann nicht fort von den Blättern. Ich denke, denke, auch da ich nicht denken will. Die Stimmen überfallen mich. Und ich halte krampfhaft zurück, was wie ein Strom aus der Feder stürzen will, ich halte sie zurück, diese verschiedenen Gewässer, bis zu dem Augenblick, wo sie münden dürfen, jedes einzelne dort, wo es soll.
Schaffen – Kraftfrage? Ja. Aber mehr noch als die Frage einer Kraft des Schöpfens, die des Eindämmenkönnens, und doch nicht Verströmen = Versickernlassens dessen, was tausendquellig zutage bricht!
Seltsam, seltsam geht es mir mit diesen Blättern!
Du sagst mir oft, ich sei schön. Es erscheint dir so, Lieber! Denn was ist denn schön an mir. Es kommt nur manchmal etwas wie ein Licht, daß alles das, was da ist, schön scheinen läßt. Auch Dimitri kannte dieses Licht – anfangs. Er sagte dann: Lux in dentibus, Lux in oculi, Lux in Maja. Das ist meine ganze Schönheit, diese Lux. Und daß du mich immer schön findest, kommt eben daher, daß dieses »Licht« nun dauert; von einer großen, stillen Flamme kommt es, die du entzündest hast und sie speisest, priesterlich, mit kostbaren Stoffen, daß sie Tag und Nacht brennt und nimmer erlöschen kann.
Darum siehst du die Lux in Maja, und Maja ist – schön.
Und wäre ich hundert Jahre in dieser deiner geliebten Gegenwart, – die Lux verhuschte mir nicht!